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Neue Details im Schließungsstreit Ordnungsamt hatte Delmenhorster Postenmarkt schon besichtigt!

Von Michael Korn | 02.08.2017, 20:29 Uhr

Im Streit um die Blitzschließung eines Delmenhorster Sonderpostenmarkts gibt es neue Vorwürfe gegen die Stadt: Das Ordnungsamt soll den Betrieb schon 2015 und 2016 inspiziert haben – offenkundig ohne Beanstandungen.

Im Streit um die Blitzschließung des Sonderpostenmarkts am Hamburger Weg sind weitere Details ans Tageslicht gekommen, die das rigorose Vorgehen der Stadt weiter infrage stellen: Nach Angaben von Geschäftsführer Christoph Pawlowski von heute, 2. August, hat das städtische Ordnungsamt bereits 2015 und 2016 die jetzt so plötzlich und kompromisslos beanstandeten Räumlichkeiten mehrfach in Augenschein genommen – ohne Folgen. Zudem habe das Bauordnungsamt am Dienstag vergangener Woche nach einer Besichtigung dem Betrieb mitgeteilt, „ dass keine Schließung droht, aber ein Zeitrahmen für die Nachbesserung beim Brandschutz vorgegeben wird“. Auf dk-Nachfrage wies die Stadt diese Darstellungen heute zurück.

Stadt: Keine derartige Aussage

Pressesprecher Timo Frers bekräftigte: „Bei der Begehung am 25. Juli 2017 hat es keine derartige Aussage des Fachdienstes Bauordnung bezüglich des Sonderpostenmarktes gegeben.“ Ansonsten verweise er erneut auf die Stellungnahmen der Stadt zum Sachverhalt: Das sofortige Eingreifen sei insbesondere deshalb geboten, weil „Anzeichen für baurechtswidrige Zustände“ vorlägen und offenkundig „Gefahr für Leib und Leben“ bestehe. Im Zuge der Überprüfung sei festgestellt worden, dass der große Restpostenmarkt baurechtlich nicht genehmigt sei. Es handele sich damit „faktisch um einen Schwarzbau“. In den Gebäuden seien massive Brandschutzmängel festgestellt worden. Betreiber und Eigentümer habe die Stadt aufgefordert, baurechtskonforme Zustände herzustellen. Zudem muss laut Frers noch geprüft werden, „ob ein Sonderpostenmarkt in der gegenwärtigen Größe dort überhaupt zulässig wäre.“

Kommunikation vermisst

Pawlowski, der eine Zwischenlösung für den Sonderposten-Verkauf gefunden hat im ehemaligen Praktiker-Gebäude (jetzt Coma-Outlet) an der Nienburger Straße, kritisiert das drastische Einschreiten der Stadt und deren Wortwahl: „Eine offene, produktive Kommunikation hätten wir uns gewünscht und erwartet, um eventuelle Missstände zügig zu beheben. Wir bedauern den Weg, den die Stadt gewählt hat, das ist sehr schade.“ Die sofortige Schließungsverfügung sei aufgrund der bereits 2014 erfolgten Gewerbeummeldung für den Lagerverkauf überraschend – gerade im Hinblick darauf, dass das Ordnungsamt in den Jahren 2015 und 2016 Besichtigungen des Lagers durchgeführt habe und bei der letzten Besichtigung durch das Bauordnungsamt am 25. Juli 2017 eine Frist für Nachbesserungen in Aussicht gestellt worden sei.

Feuerwerksverkauf geprüft

 Im Zuge des Feuerwerksverkaufs seien Aufbau, Lagerungen, Fluchtwege, Feuerlöscher und mehr allein 2016 durch drei Besuche seitens des Ordnungsamtes begleitet worden, um die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten. Es gebe seit 2005 im Lagerverkaufsraum einen aushängenden Flucht- und Rettungsplan, 13 Feuerlöscher sowie ausgeschilderte Notausgangstüren. Pawlowski: „Sollte beim Brandschutz nachgebessert werden müssen, so wird dies durch den Eigentümer und durch uns selbstverständlich erledigt.“