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Neue Dienstleistung in Delmenhorst Abhilfe bei langen Wartenzeiten beim Augenarzt

Von Frederik Grabbe | 20.11.2018, 17:41 Uhr

Termine beim Augenarzt sind nur schwer zu bekommen. Eine Lösung des Problems zeichnet sich nicht ab. Abhilfe könnte aber ein Optometrist in Delmenhorst schaffen, der einige Leistungen eines Arztes übernimmt und Patienten nötigenfalls zum Augenarzt weiterleitet.

Im Kampf gegen den Augenarztmangel und die schleppende Terminvergabe bei Augenärzten könnte ein neues Angebot in der Delmenhorster Innenstadt Abhilfe schaffen: Ein Augenoptiker hat sich zu einem sogenannten Optometristen weiterbilden lassen und sein Angebot ausgebaut – einige Leistungsbereiche eines Augenarztes deckt er damit ebenfalls ab. Je nach Fall könnten sie auch lästige Wartezeiten beim Augenarzt verringern.

Terminvergabe bei Augenärzten ist altes Problem

Erst Anfang Oktober hatte diese Zeitung über die schwierige Terminvergabe bei Delmenhorster Augenärzten berichtet. Teilweise hatten Leser von mehreren Monaten Wartezeit berichtet. Das Echo war groß. Die Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (SPD), Astrid Grotelüschen (CDU) und Christian Dürr (FDP) waren sich einig, dass gehandelt werden müsse. Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), hatte zu dem Thema auf Berechnungsgrundlagen für Ärzteversorgung in der Region und auf die Bedarfsplanung für die Augenärzteversorgung des Bundes verwiesen.

Optometrist leistet Vorprüfung für den Augenarzt

Nun ist der Weg der Gesetzgebung lang. Diese Bresche will Jörg Gehrmann nutzen: Er ist Inhaber von „Die Optiker“ an der Langen Straße und bietet seit zwei Jahren optometrische Dienstleistungen an. Was macht Gehrmann genau? Mit speziellen Geräten wie einer Netzhautkamera erhält er einen exakteren Blick auf das menschliche Auge. So lässt sich zum Beispiel ein Grüner Star entdecken, der die Sehfähigkeit Stück für Stück zerstört, Gefäßschädigungen im Auge als Folge von Diabetes oder auch Augen-Tumore, die möglicherweise auch Folgen für andere Organe haben. Je nach Befund wird der Patient zum Augenarzt geleitet. Und je nach Schwere des Problems sei auch ein kurzfristiger Augenarzttermin möglich, sagt Gehrmann.

„Eigentlich gesunde Menschen verstopfen die Arztpraxen“

Das alles geht über den Leistungskatalog eines Standard-Augenoptikers hinaus. „Wir sehen uns in erster Linie als Gesundheitsdienstleister, der Patienten, wenn nötig, zum Augenarzt lotst. Nicht jeder muss zwingend zum Augenarzt“, sagt Gehrmann. Denn wenn Menschen lediglich wissen wollten, wie es um ihre Augengesundheit stehe, „verstopfen diese eigentlich gesunden Personen die Arztpraxen, obwohl ein Optometrist ihnen ebenfalls weiterhelfen könnte.“ Als Konkurrenz für die Ärzteschaft sieht er sich darum nicht. Das Angebot kostet allerdings: Rund 70 Euro beträgt der Stundensatz für eine Untersuchung. Bis auf wenige private Kassen bezahlen die Krankenkassen diese nicht. Gehrmann, der nach eigenen Worten einzige Optometrist in der Stadt, hat sich erst kürzlich neue Geräte angeschafft. Dass er mit seinem Angebot einen Nerv treffen könnte, ist gut möglich. Denn das Problem der langen Wartezeiten bei Augenärzten ist nach wie vor ungelöst.

Daten zur Bedarfsplanung bei der Augenarztversorgung liegen auf dem Stand von 1992

„Eine Verbesserung der Lage zeichnet sich aktuell nicht ab“, sagt KVN-Bereichsleiter Scherbeitz auf Nachfrage. Dass der Ärztevertreter, genau wie die Politik, Handlungsbedarf im Bereich der Augenarztversorgung sieht, macht er sehr deutlich. „Die Daten für die aktuelle Bedarfsplanung basieren auf dem Stand von 1992. Zwischenzeitlich haben sich drastische Veränderungen in der Bevölkerung eingestellt. Die Bedürfnisse für die Behandlung von Patienten werden falsch widergespiegelt“, sagt Scherbeitz. Wie Lösungen aussehen könnten, das sei in einem 700-seitigen Gutachten des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) beschrieben. Scherbeitz: „Darin geht es um verschiedene Änderungsvorschläge wie den Bezug zur Bevölkerungsanzahl einer Region herauszunehmen und eher auf die tatsächlichen Behandlungsbedarfe zu setzen.“ Welche Vorschläge konkret umgesetzt werden, sei aber Sache des Gesetzgebers und damit der Politik.

Eine Lösung kostet Geld

Allerdings kostet eine Lösung Geld. „Sollen mehr Termine angeboten werden, müssen mehr Ärzte her – und die wollen bezahlt werden“, sagt Scherbeitz. Wenn Politik etwas ändern wolle, müsse sie diesen Kostenfaktor ebenfalls berücksichtigen. Der Ärztevertreter sagt auch, dass die Terminservice-Stelle der KVN, die seit Januar 2016 Patienten mit einer Überweisung einen Facharzt-Termin innerhalb von vier Wochen vermitteln soll (Rufnummer: (0511) 56999793), nicht gänzlich zufriedenstelle: Das liege unter anderem an der Entfernung zum nächsten freien Arzt: „Wenn ein Patient von Delmenhorst nach Diepholz zum Augenarzt fahren soll, trifft das auf wenig Bereitschaft“, sagt Scherbeitz.