Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Neue Kleiderausgabe in Schule Delmenhorster Klassenraum wird zur Kleiderkammer

Von Frederik Grabbe | 15.01.2016, 07:37 Uhr

An der Königsberger Straße ist am Donnerstag eine neue Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes eröffnet worden. Damit reagiert das DRK auf den Flüchtlingszuzug der vergangenen Monate. Kleider aus zweiter Hand sind zum Teil schon für wenige Cent zu haben.

Sylvia Strössel fährt mit ihren Fingern langsam über das Display ihres Ipads. Sie lässt Bilder vorbeifliegen, die einen Eindruck vermitteln, was sich in den vergangenen Monaten hier, in einem ehemaligen Klassenraum der Oberschule Süd in der Außenstelle an der Königsberger Straße, verändert hat. „Sehen dieses Regal dort?“, fragt Strössel, stellvertretende Geschäftsführerin beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Dahinter befindet sich immer noch die Tafel des Klassenraums. Wir haben sie einfach umbaut“, sagt sie nicht ohne Stolz. Ein weiterer Kursraum, wo früher Französisch gepaukt wurde, dient heute als Sortierstelle.

Kleiderkammer am passenden Ort

Seit 7. Dezember dient der ehemalige Klassenraum als Kleiderkammer, „KleiderKö“, heißt sie kurz und griffig in Anlehnung am CaféKö, einer DRK-Einrichtung an der gleichen Straße. „Wir wollten das KleiderKö ohne viel Werbung öffnen, um den Ehrenamtlichen Zeit zu lassen, sich einzuarbeiten und ihnen bei der Arbeit Sicherheit zu geben“, sagt Strössel. Jetzt aber ist am Donnerstag das KleiderKö offiziell eröffnet worden. Doch auch ohne offiziellen Akt wurde die neue Kleiderkammer gut angenommen. Mitten in Düsternort, also dem Stadtteil, in dem etwa 90 Prozent aller Delmenhorster Flüchtlinge untergekommen sind, und nahe am Stadionheim hat sich das Angebot schnell rumgesprochen. „Es herrscht ein ständiger Ansturm“, sagt Strössel. Mit dem Angebot reagierte das DRK auf die Flüchtlingszuwanderung in den letzten Monaten. Koffer, Rucksäcke und Winterkleidung wie Schals oder Handschuhe seien aktuell sehr begehrt.

(Weiterlesen: Neues Möbellager für Bedürftige öffnet in Delmenhorst)

Mehr als eine bloße Kleiderausgabe

Für Meike Müller, Vizepräsidentin des DRK-Landesverbandes Oldenburg, ist die eine Kleiderkammer mehr als eine bloße Ausgabestelle. „Es ist eine Stätte des Austauschs, des Kontakts und somit umso wichtiger für eine Klientel, die in Armut lebt und wirtschaftlich hilfebedürftig ist.“ Eine Kleiderkammer sei ein Stück Linderung in der Not.

(Weiterlesen: Textportal zu Flüchtlingen in Delmenhorst)

Kaum nicht nutzbare Kleiderspenden

Umsonst gibt die Stelle aber die Kleider nicht aus – eigentlich. „Wir geben die Dinge für einen geringen Preis ab“, so Strössel. Ein Schal ist zum Beispiel für 30 Cent zu haben. „Aber wenn jemand in einer Notsituation zu uns kommt, kleiden wir natürlich auch kostenfrei ein.“ Strössel freut sich, ein 19-köpfiges Team aus Ehrenamtlichen zu haben, aus deren Reihen auch der Kontakt zum Schulamt kam, über das das DRK die Räume, in nächster Nähe zu einem Raum übrigens, in dem die VHS einen Deutschkurs für Flüchtlinge anbietet, angemietet hat. Ebenfalls froh ist sie über den Umstand, dass die Kleiderkammer offensichtlich gut angenommen wird. „Wir erhalten kaum Kleiderspenden, die nicht mehr zu benutzen sind. Das macht richtig Spaß.“

Nur eines bereitet ihr Kopfzerbrechen: „Am besten wäre es, wenn die Spender jahreszeitlich passend Kleider abgeben: Im Frühjahr für den Sommer, im Herbst für den Winter. Wir haben einfach kein Lager, um Überschüssiges aufzubewahren.“