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Neue Kolumne: Angekommen!? Flüchtlings-Kolumne: „Möchte meine Zeit nicht verschwenden“

21.11.2015, 10:17 Uhr

In der Kontroverse um den Flüchtlingszustroms gehen menschliche Einzelschicksale meist unter. Für unsere Redaktion berichtet der in Delmenhorst lebende Flüchtling Maisam Hasanzada in einer Kolumne, was er hier erlebt und was ihn bewegt.

Jeden Tag hoffe ich nach dem Aufwachen auf einen besseren Tag und auf eine bessere Zukunft. Ich versuche, neue Menschen kennenzulernen, egal ob sie Flüchtlinge sind oder Deutsche. Und ich versuche, Menschen zu helfen, die meine Hilfe brauchen. Drei Mal in der Woche gehe ich zum Büro der Integrationslotsen. Dort helfe ich afghanischen Flüchtlingen, die kein Deutsch sprechen und ein Problem haben. Oft bekommen sie etwa einen Brief von der Stadt, der einen Krankenschein enthält, und den sie nicht lesen können. Dann übersetze ich für sie.

Als Kind in Deutschland operiert

Ich selbst wurde vor 13 Jahren in Afghanistan bei einem Unfall schwer an der Hüfte verletzt. Mehrere Menschen starben dabei, mein Bein und meine Hüfte waren gebrochen. Über den Verein „Kinder brauchen uns“ wurde ich in Deutschland operiert und behandelt. Ich lebte elf Monate hier, ehe ich wieder nach Afghanistan kam. Seitdem ist mein rechtes Bein verkürzt und ich habe Probleme mit dem Laufen. Aber ich habe überlebt.

Helfen ist gut

Jeder Tag, an dem ich helfen kann, ist ein guter Tag. Dies ist etwas, was ich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Bramsche gelernt habe. Dort gab es viele Helfer, die Flüchtlingen freiwillig geholfen haben. Das hat mich sehr beeindruckt.

Ich weiß gar nichts über mein Asylverfahren

Jetzt bin ich seit drei Monaten in Deutschland. Ich weiß nicht, wie mein Asylverfahren läuft, wann es eine Anhörung gibt. Ich weiß gar nichts darüber. Arbeiten, studieren oder eine Ausbildung machen darf ich nicht. Das ärgert mich. Ich möchte meine Zeit nicht verschwenden.

Ich hoffe, eines Tages wird alles wieder normal. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 (aufgezeichnet von Frederik Grabbe)