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Neue Wohngruppe Delmenhorster stellt Menschen mit Behinderungen Haus zur Verfügung

Von Frederik Grabbe | 15.11.2017, 09:41 Uhr

Wollen behinderte Menschen vergleichsweise frei und selbstbestimmt in einer Wohngemeinschaft miteinander leben, haben sie oft zunächst das Problem, dass sie keinen Vermieter für ihr Projekt finden. Anders ist das bei dem Delmenhorster Ralf Heine, der das Haus gerade umbauen lässt.

Im Leben vieler Menschen kommt eines Tages einmal der Punkt, dass sie entscheiden müssen, was mit dem Haus der Eltern passieren soll. Im Fall des Delmenhorsters Ralf Heine war es so, dass seine Mutter aufgrund ihres Alters im Februar 2016 in eine Pflegeeinrichtung ging, im Sommer des Jahres folgte der Vater. Beide verstarben Ende 2016 – und Ralf Heine hatte mit seiner Frau Kristina zu entscheiden, was aus dem Haus am Lessingplatz werden soll.

Verkaufen kam nicht in Frage

„Verkaufen wollte ich das Haus nicht, auch wenn die Gelegenheit derzeit günstig ist“, sagt Ralf Heine. „Einfach aus sentimentalen Gründen. An dem Haus hängen einfach zu viele Erinnerungen.“ Heine verbrachte einen guten Teil seiner Kindheit am Lessingplatz. Noch zu Lebzeiten der Eltern war die Idee da, das Haus für Pflegefälle herzurichten. Mit einem Zeitungsartikel im dk über die gemeinnützige Norle, die Menschen mit Behinderungen am Schollendamm betreut, wurde die Idee konkret. Die Heines boten der Norle die Zusammenarbeit an.

„So ein Haus ist für uns selten zu finden“

Im Haus selbst sind auf 176 Quadratmetern sieben Zimmer untergebracht, fünf sollen Einzelzimmer werden, ein Gemeinschaftsraum und ein Zimmer für eine Nachbereitschaft gehören ebenfalls zu den derzeitigen Planungen. Zwei Bäder gehören auch dazu. Im rückwärtigen Teil ist der künftige Gemeinschaftsraum direkt mit der Terrasse verbunden, die wiederum in einen großzügigen Garten führt. Der Lessingplatz selbst liegt in einer ruhigen Wohngegend, Einkaufsmöglichkeiten und Busanbindung befinden sich in der Nähe. Fünf Bewohner sollen in dem Haus ein neues Zuhause finden. „Wir sind sehr froh, dass sich die Heines gemeldet haben. So ein Haus und die Bereitschaft der Vermieter, es Menschen mit Behinderungen zur Verfügung zu stellen, ist für uns selten zu finden“, sagt Michael Köstens, Regionalleiter bei der Norle. „Alle sprechen zwar von der Inklusion, aber die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen ist noch längst nicht da, wo sie sein könnte.“

Eigentümer und Norle bauen Haus aus

Die Heines werden das Haus über die Norle an die künftigen Bewohner mit Behinderungen vermieten, die wiederum die Miete mit ihrer Grundsicherung bestreiten. „Für uns hat dies den Vorteil, dass wir einen langfristigen und verlässlichen Mieter haben“, sagt Ralf Heine. Bis es soweit ist, müssen aber noch einige Umbauten her: Neue Fenster oder neue Dämmung etwa tragen die Heines, die ebenerdigen Bäder oder andere Arbeiten zur Barrierefreiheit die Norle. Welche genau hängt von der Zusammensetzung und der Schwere der körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen der künftigen Bewohnerschaft ab – „wir befinden uns gerade in Gesprächen mit potenziellen Interessenten oder ihren gesetzlichen Vertretern“, sagt Köstens. Noch seien Bewerbungen möglich (siehe Kasten), der Auswahlprozess nicht abgeschlossen.

Einzugstermin soll der 1. März 2018 sein

Die Norle selbst wird dann, neben der Wohnung am Schollendamm, die zweite Behinderten-Wohngemeinschaft in Delmenhorst betreuen. In Einzelwohnungen in Delmenhorst kümmert sie sich derzeit ambulant um die 31 Menschen mit Behinderungen.

Als Einzugstermin visieren beide Parteien den 1. März 2018 an. Dann würde sich der Kreis für die Heines schließen: „Wenn wir Menschen mit Behinderungen im Haus meiner Eltern einen Platz bieten können“, sagt Ralf Heine, „ist das absolut positiv für uns.“