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Neuer Mitarbeiter beim Fachdienst Stadtplanung Zwischen Spaniens Sonne und norddeutscher Pinkel

20.04.2015, 20:28 Uhr

juls Delmenhorst. Ignacio Benitez Clerie arbeitet seit Anfang des Jahres in der Stadtverwaltung Delmenhorst, Er gehört zu den jungen Spaniern, die fern der Heimat eine berufliche Perspektive gesucht haben.

Aus welcher Richtung scheint die Sonne? Das ist eine Frage, die in Deutschland stets eine Rolle spielt, wenn ein Haus gebaut wird. Denn natürlich sollen Balkon oder Terrasse günstig liegen. Und den Schattenwurf gilt es auch zu berücksichtigen, schließlich will auch der Nachbar Sonne und Licht. Für Ignacio Benitez Clerie war das zunächst gar nicht so selbstverständlich. Der Name verrät es schon. Der 29-Jährige ist ein „Sevillano“, er stammt gebürtig aus Sevilla, der stolzen Stadt in Andalusien. Und dort scheint die Sonne jederzeit, so dass sich beim Häuslebau niemand groß um die Richtung kümmert.

Schnell in Delmenhorst eingelebt

Ignacio Benitez Clerie ist aber nicht nur ein „Sevillano“, er schickt sich an, Delmenhorster zu werden. Seit Anfang des Jahres ist er bei der Stadtverwaltung im Fachdienst Stadtplanung beschäftigt. Städtebau und Raumordnung sind seine Themen. „Ich arbeite an Bebauungsplänen und an Bauanträgen“, sagt der Spanier in gutem Deutsch und dem unverkennbaren Akzent. In Delmenhorst hat er sich schnell eingelebt. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt er. Aber er hat schnell gemerkt, dass Delmenhorster mitunter dazu neigen, über ihre Stadt zu meckern. „Ich verstehe nicht, warum so viele jammern. Es ist schön hier.“

Deutschunterricht schon im Kindesalter

Benitez Clerie gehört zu einer großen Zahl von jungen Spaniern, die in den vergangenen Jahren ihr berufliches Glück fern der Heimat gesucht haben. Als typischen Wirtschaftsflüchtling sieht er sich aber dennoch nicht, auch wenn es aufgrund der anhaltenden Krise gerade im Süden Spaniens wenig Jobs gibt. Seine Mutter hat schon in frühen Jahren eine Nähe zu Deutschland hergestellt. „Sie hat mich auf eine Schule geschickt, auf der ich die deutsche Sprache lernen konnte. Da war ich sieben oder acht Jahre alt“, erläutert der Andalusier.

Mit Erasmus nach Berlin

Mit den erworbenen Sprachkenntnissen lag es später für ihn nahe, nach seinem Studium in Spanien – dort hat er den Bachelor Geografie gemacht – ein Studium in Deutschland draufzusatteln. Mit dem Erasmus-Programm kam er 2006 nach Berlin, in Dortmund hat er dann seinen Master in Raumplanung gemacht. 2013 war er fertig. Die Berliner hat er als zumeist als unfreundlich-schroff empfunden – und die Delmenhorster seien viel offener und hilfsbereiter als die Ruhrgebietler, sagt er.

Radfahren statt klettern

Mit dem Master in der Tasche ist er erst mal zurück zu Familie und Freunden nach Sevilla, doch dort gab es keine richtigen Berufsperspektiven. So hat er sich in Delmenhorst beworben – und durchgesetzt. Auch wenn er eines seiner Hobbies, das Klettern, hier nicht richtig ausüben kann. „Es fehlen die Berge“, sagt er lachend. Dafür könne man hier im flachen Land besonders gut Fahrradfahren, das Radeln ist seine zweite Leidenschaft.

Was er im Norden vermisst, das sind typische spanische Sepzialitäten, vor allem Tapas. „Ich suche noch nach einem Geschäft, wo man original spanische Lebensmittel kaufen kann“, berichtet er. Aber er lässt sich auch auf Experimente ein: Pinkel. „Was für ein komischer Name, schmeckt aber gut.“ Dass Pinkel hier im Sommer, wenn die Sonne scheint, eher nicht auf den Tisch kommt, war für ihn dann aber noch neu.