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Neues Drogenpräventionsprojekt Schüler informieren Schüler in Delmenhorst

Von Kai Hasse | 16.01.2018, 16:07 Uhr

Jugendliche informieren Jugendliche über die Risiken von Drogen. Das ist ein neues, künftiges Konzept in der IGS Das Modell „Erwachsener belehrt Jugendlichen“ soll sich im 9. Jahrgang ändern. Dafür startet die Drogenberatung „drob“ in der Schule das Projekt „KlarSicht“.

Wenn Erwachsene Jugendliche vor den Folgen von Drogen warnen, muss das nicht immer wirken wie erhofft: Man nehme schnell „die Rolle der abzulehnenden moralischen Instanz“ ein, sagt IGS-Schulleiterin Sigrid Radetzky. An ihrer Schule belehren und beraten deshalb jetzt andere: Jugendliche selbst. Sie sollen im Rahmen des „KlarSicht“-Projekts der Anonymen Drogenberatung (drob) den Part übernehmen – weil man ihnen als Fast-Gleichaltrigen eher zuhört, so die Annahme.

Wirkung erleben am eigenen Leib

„Jeder weiß heutzutage, wie gesundheitsschädlich Alkohol oder Zigaretten sind“, sagt Nils-Oke Bartelsen von der drob. Aber: „Wenn den Jugendlichen das jemand vermittelt, der alt genug ist, aus persönlichen Erfahrungen zu berichten, falls er welche hat, aber der auch zur Gruppe der Jugendlichen oder jungen Erwachsenen gehört, dann ist das authentisch. Das macht viel her.“ 20 Schüler haben sich als Vermittler in der Schule freiwillig gemeldet. Sie stammen aus dem elften Jahrgang. Beraten oder informieren werden sie Schüler des neunten Jahrganges. Um den Stoff knackig vermitteln zu können, haben sich die Elftklässler zuvor schulen lassen. Marina Warrelmann und Anna Schwarting, beide 17, sind zwei davon. Sie übernehmen bei den Info-Runden für die Neuntklässler die Station mit der „Rauschbrille“ – eine breite Brille, die dem Träger so sehen lässt, als wäre er volltrunken. Die Rauschbrille diejenige der insgesamt fünf Stationen, die Marina für die wichtigste überhaupt hält. „Die Schüler merken den Einfluss von Alkohol dabei sehr direkt“, sagt sie. Und Anna: „Dabei geht man spielerisch an die Sache. Die Schüler erleben am eigenen Leib, was der Alkohol mit ihnen macht.“

Hauptsache, die Jugendlichen hören zu

Die beiden jungen Frauen haben sich für die Schulungen gemeldet, „weil ich es schön finde, dazu beizutragen, dass jemand bedacht mit dem Thema umgeht.“ Ebenso mag es Anna, wenn sie Schülern die Risiken erklären kann. Dass dabei nicht alles immer vollkommen wissenschaftlich korrekt ist, schert Nils-Oke Bartelsen dabei wenig. Hauptsache, die Jugendlichen hören zu: „Der Zugang ist wichtiger als der Inhalt“, sagt er. Das Zauberwort, das dabei immer wieder fällt, ist „peer“, von der englischen „peergroup“, also der Gruppe von Menschen, die einen persönlichen Bezug oder eine Ähnlichkeit und Verbundenheit zueinander empfinden – wie auch auch Neunt- und Elftklässlern. Dabei bleibe aber in diesem kleinen Rahmen noch die nötige Autorität, die die Elfjährigen genießen.

„Wir wissen, dass ihr das macht“

Sozialpädagoge Uwe Igler sieht die Stärke der Beratung in der Glaubwürdigkeit: „Wir gehen authentisch da ran. Wir sagen: Wir wissen, dass ihr das macht“, – also raucht oder trinkt – , „aber wir sagen auch: Bedenkt dabei, was es für Folgen haben kann.“ Dass die Neuntklässler mal trinken oder rauchen, weiß die drob aus Befragungen in den Jahren 2012 und 2016, bei denen jeweils 1700 beziehungsweise 1900 Schüler befragt wurden. Speziell im neunten Jahrgang berichteten die Schüler von ihren ersten Erfahrungen mit Alkohol und Zigaretten. „KlarSicht“ ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.