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Neues Parkhaus in Delmenhorst Für E-Autos gerüstet – Radler brauchen Kraftakt

Von Kai Hasse | 11.12.2018, 17:32 Uhr

Ein abgeschlossener Raum für Fahrräder und Ladeboxen für E-Autos sollen das neue Delmenhorster Parkhaus für den umweltfreundlicheren Verkehr bereit machen. Einzelne Punkte stören jedoch.

Bis zu acht Ladeboxen für E-Autos kann das neue Parkhaus in Delmenhorst bereithalten. Auch E-Bikes könnten aufgeladen werden. Derzeit aber ist dieses Angebot nicht voll vorhanden. Für das Abstellen von Fahrrädern muss man zum Teil grundlegend beweglich und fit sein.

Senioren aus Delmenhorst, die den Fahrradabstellraum einen Tag nach der feierlichen Eröffnung begutachten, finden Lob und Kritik: Hier sei viel Platz, die Nähe zur Innenstadt sei sehr günstig, und das Abstellen der Räder kostet faktisch nichts. Britta Fengler, Sprecherin der Stadtwerke, stellt klar: Um ein Fahrrad abzustellen, müssen sich Kunden einen Chip besorgen, mit dem die Tür geöffnet werden kann. Er ist für ein Pfand von 25 Euro beim Service-Center der Stadt erhältlich. Was den Besuchern im Parkhaus noch auffällt, ist die gute Erreichbarkeit aller Etagen auch für Menschen mit Behinderungen. Ebenso sei angenehm übersichtlich, dass kleine Leuchtdioden über den Parkplatzbuchten Leerstände schon von Weitem sichtbar machen.

Ein Kraftakt für die höheren Halterungen

Aber es gibt auch Kritik: Im Fahrradraum, in dem insgesamt 93 Fahrräder Platz finden, sind die Halterungen für die Zweiräder nicht reibungslos nutzbar: Wer eine der unteren Halterungen nutzen will, muss sich mit Kopf und Schultern an den oberen, in den Raum hineinragenden Halterungen vorbeibewegen – das ist etwas umständlich. Wer eine obere Fahrrad-Halterung nutzen muss, muss sie zunächst an einer Schiene zu sich heranziehen und dann nach unten beugen. Stadtwerke-Sprecherin Fengler meint: „Es ist nicht körperlich aufwendig, da eine integrierte Gasdruckfeder die Handhabung für jeden möglich macht.“ Tatsächlich ist der Aufwand auch für Schwächere schaffbar. Es bleibt aber noch der Kraftakt, das Hinterrad auf Knöchelhöhe und das Vorderrad auf Brusthöhe zu wuchten, um das Fahrzeug in die Halterung zu bekommen. „Mit meinem E-Bike schaffe ich das nicht“, sagt die ältere Delmenhorsterin beim Begutachten des Parkhauses.

Für weitere Ladeboxen ist gesorgt

Spezielle Plätze für E-Bikes oder separate Fahrradboxen gibt es laut Fengler nicht. Derzeit gibt es auch noch keine Ladeboxen, um die elektrisch angetriebenen Fahrräder zu laden. „Wir können aber Ladeboxen nachrüsten“, sagt sie. Dasselbe gilt für Ladeboxen für E-Autos: Derzeit sind zwei Plätze im Parkhaus mit entsprechender Technik ausgestattet. Bei sechs weiteren Plätze ist eine Vorrüstung für weitere Ladeboxen erfolgt, so Fengler. Alle Lade-Plätze sind klar sichtbar auf der untersten Ebene des Hauses auf der Seite der Einfahrt. Bereits jetzt haben erste E-Auto-Besitzer die Ladeplätze genutzt – ein Nutzer der Box zeigt sich zufrieden mit der Möglichkeit. Was er für unpraktisch hält: Der Platz ist so knapp bemessen, dass sein Auto, eine nur wenig überdurchschnittlich lange Limousine, weit auf den Gehweg ragt. Andere Parkplätze mit Ladebox oder künftiger Ladebox sind sogar noch kürzer als sein jetziger Platz.

Eltern-Kind-Parkplätze zusätzlich eingerichtet

Die unterste Ebene des Parkhauses ist am ersten Tag nach der Eröffnung fast komplett leer. Hier sind 14 Behinderten-Parkplätze eingerichtet sowie vier Eltern-Kind-Parkplätze. „Die notwendige Anzahl der Behindertenstellplätze ist rechtlich geregelt. Die Eltern-Kind-Parkplätze wurden von uns zusätzlich eingerichtet“, kommentiert Fengler. Eine besorgte Frage aus dem sozialen Netzwerk: Werden die Abgrenzungen des Parkhauses – schwere Gitter an der Außenwand – stabil genug sein, dass sie Fahrzeugen bei irrtümlichem Vollgas standhalten? Fengler knapp: „Die Außengitter sind nach DIN bemessene Anprallgitter.“ So genannte „Anprallgitter“ sind laut Patent dafür da, auch mit höherer Geschwindigkeit anprallende Fahrzeuge mit höherem Gewicht sicher aufzuhalten.