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Neues Projekt der BBS II in Delmenhorst Mit einer Grillhütte in die Zukunft

Von Frederik Grabbe | 07.11.2017, 16:53 Uhr

Sie zimmern, sie bearbeiten Metall, sie verlegen Dachschindeln: Unterschiedlichste praktische Bezüge aus verschiedenen Gewerken erhalten 16 Schüler der BBS II in der neuen sogenannten Produktionsklasse. Diese richtet sich an Schüler, die keinen Schulabschluss haben. Ihr erstes Projekt, eine Grillhütte für den Albertushof, verläuft bislang vielversprechend.

Sie ist 6,50 Meter mal 6,50 Meter im Grundriss groß und 4,25 Meter hoch, besteht aus einer Holzbalkenkonstruktion und ist auf dem Dach mit Dachpappe überzogen. Derzeit arbeiten einige der jungen Arbeiter an Metallkanten und Rinne am Dach. Was noch fehlt, sind Dachschindeln und eine Pflasterung im Bodenbereich. Insgesamt 16 Jugendliche arbeiten zwei Mal in der Woche an der Grillhütte. Die Schüler in der Produktionsklasse durchlaufen gerade das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Kerschensteiner Berufsschule (BBS II), in dem 15 bis 18 Jahre alte Schüler ohne Schulabschluss vor allem die handwerkliche Praxis nähergebracht wird – mit dem Unterschied aber, dass sie die im Auftrag eines Kunden arbeiten, anstatt praktische Erfahrungen ausschließlich in den Werkstätten der BBS II zu sammeln, schildert deren Sprecher Markus Weise.

Verantwortung vor dem Kunden

Kunde ist in diesem Fall der Albertushof, eine Betreuungseinrichtung für behinderte Menschen, der über den Pädagogen Frank Mertel den Kontakt zur BBS II suchte. Im März 2017 begann der Zuschnitt der Bauteile, im Mai die Aufstellung auf dem Albertushof, im November soll die Grillhütte abgeschlossen sein. Mit der Produktionsklasse beschreitet die BBS II einen neuen Weg: Denn Schüler haben einen höheren Praxisanteil bei einem Auftrag außerhalb der Schule und müssen ihre Arbeit auch vor dem Kunden verantworten, beschreibt Weise. Beim Beispiel der Grillhütte werden die 16 Schüler am Ende Zimmerarbeiten, Metallarbeiten oder Dachdeckerarbeitern verrichtet haben. So wissen sie, was sie in dem jeweiligen Gewerk erwartet.

„Ein anderes Lernen“

Diese Vorzüge wissen auch die Schüler zu schätzen: „Mir gefällt die Nähe zur Praxis sehr. Man kommt viel raus anstatt nur kleine Dinge in der Werkstatt zu bauen. Das ist gleich ein ganz anderes Lernen“, sagt etwa Leon Lange (16). Und Henning Böning (17) und Sheig Rasouli (17) wissen nach Metallsäge- und Schweißarbeiten, dass sie Metallbauer werden wollen. „Das liegt mir, das ist mein Weg“, sagt Böning.

„Normalerweise beginnen nach einem Berufsvorbereitungsjahr 50 Prozent der Schüler eine Ausbildung oder bleiben an der BBS II. Die andere Hälfte sind Schulverweigerer, von denen wir erst einmal nichts hören“, sagt Weise. Die Produktionsklasse soll dazu beitrage, diese Quote zu verbessern.