Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Neujahresempfang der Diakonie 160 Gäste in Delmenhorster Stadtkirche

Von Alexander Schnackenburg | 15.01.2016, 19:20 Uhr

Mit einem Vortrag über obdachlose Frauen hielt das Diakonische Werk Delmenhorst/Oldenburger-Land seinen traditionellen Neujahresempfang ab.

Obdachlose Frauen hielten sich üblicherweise versteckt, sagt Andrea Hniopek, Abteilungsleiterin Existenzsicherung des Caritasverbands Hamburg. Um ihnen überhaupt helfen zu können, müsse man sie daher anlocken: beispielsweise durch frauenspezifische Beratungsangebote oder auch durch Räume in öffentlichen Einrichtungen, die allein für Frauen bestimmt seien. Weil sich das Diakonische Werk Delmenhorst/Oldenburger-Land traditionell zum Jahreswechsel Themen zuwende, die wichtig, nicht aber in aller Munde seien, so Geschäftsführer Franz-Josef Franke, hatte die Diakonie Andrea Hniopek für den gestrigen Neujahrsempfang in der Stadtkirche zum Vortrag eingeladen. (Weiterlesen: Neues Möbellager für Bedürftige öffnet in Delmenhorst)

Referentin spricht über obdachlose Frauen

Etwa 160 Gäste waren erschienen. Oberbürgermeister Axel Jahnz, die stellvertretende Landrätin des Landkreises Oldenburg, Christel Zießler und Bertram Althausen, Kreispfarrer des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Delmenhorst/Oldenburg-Land hielten die Grußworte. Hniopek erklärte, dass sie, kaum in Delmenhorst angekommen, auch schon eine Frau erblickt habe, welche im Müll gewühlt habe. Das Thema ihres Vortrags „Obdachlose Frauen – Anforderungen an ein geschlechterspezifisches Hilfesystem“, so die Referentin, scheine also keinesfalls allein andere Städte und Gemeinden zu betreffen. (Weiterlesen: Delmenhorster Klassenraum wird zur Kleiderkammer)

Gesellschaft bekommt Probleme nicht mit

Häufig allerdings bekomme die Gesellschaft kaum etwas von den Problemen mit. Denn typischerweise fielen obdachlose Frauen kaum auf, hielten sich aus dem öffentlichen Leben fern und stünden oft in „bizarren Abhängigkeiten zu Männern“. Diese Frauen seien meist von Gewalt und Diskriminierungen bedroht, sodass die Unauffälligkeit in der Gesellschaft zugleich ihren wirksamsten Schutzmechanismus darstelle. Während sich die einen mithilfe von Freunden und Kleiderkammern ebenso gut pflegten wie andere Mitbürger, verwahrlosten andere geradezu, um bloß nicht attraktiv auf Männer zu wirken. Schätzungen zufolge, so Hniopek, handele es sich bei 25 Prozent aller Obdachlosen um Frauen, verlässliche Zahlen aber gebe es nicht.

Doch gleich, ob es sich um obdachlose Frauen oder Männer handele: Am besten wäre, erklärte die Referentin, wenn die Gesellschaft früh hinsähe, bereits helfe, ehe jemand auf der Straße lande. Hierin liege zugleich die größte Herausforderung.