Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Neujahrsempfang des DGB Vehementer Einsatz für Lohn-Gleichstellung in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 22.01.2018, 21:45 Uhr

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Die Gleichstellung von Männern und Frauen war Hauptthema des diesjährigen Neujahrsempfangs des DGB in Delmenhorst am Montag. Verbunden damit gab es auch eine Forderung nach einem radikalen Systemwechsel.

Die komplette Lohn-Gleichstellung von Männern und Frauen, mehr Männer in der Familienarbeit – und radikale Veränderungen beim Verständnis von Arbeit: Was die politischen Forderungen anging, hatte es der Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Turbinenhaus auf der Nordwolle in sich.

Zahlen untermauern Ungleichheiten

Hauptrednerinnen waren Yasemin Say und Lisa Theophil vom Jugendbündnis 1. Mai, die mit viel Leidenschaft zum Thema „Gleichstellung von Frauen – Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sprachen. Wie wichtig die Lohn-Gleichstellung von Mann und Frau ist, unterstrichen viele Zahlen an diesem Abend: Frauen müssten sich mit 21 Prozent weniger Lohn für gleiche Arbeit begnügen und Frauen erhielten im Alter mehr als 50 Prozent weniger gesetzliche Rente, führte Say aus. Und wie Theophil anführte, werden 80 Prozent der Arbeit in Pflege- und Betreuungsberufen von Frauen ausgeführt. Say wies darauf hin, dass sich eine Diskriminierung von Frauen schon am Anfang des Berufslebens einstelle – beispielsweise durch ein Beharren auf ein starres Rollenverständnis bei der Berufswahl.

Teilzeit und Erziehungszeit mindern Renten von Frauen

Sie wies unter anderem auch auf Erziehungszeiten von Frauen hin oder auf den Umstand, dass Frauen vermehrt in Teilzeit tätig sind. Beides wirke sich negativ auf die Rente aus. „Altersarmut ist weiblich“, sagte Theophil mit Bezug hierauf. Sie forderte das Aufbrechen von verkrusteten Rollenbildern – und den radikalen Systemwechsel hin zu einer viel selbstbestimmteren Gesellschaft. Denn Arbeit in heutiger Form sei vor allem auf Männer zugeschnitten. Die Verkürzung von Arbeit auf eine 30-Stunden-Woche wäre ein Ansatz – bei vollem Lohnausgleich. Positionen, die auch Rednerin und Bürgermeisterin Antje Beilemann in vielen Teilen stützte – und mit der Forderung verband ein Gleichstellungsgesetz nach isländischem Vorbild auf den Weg zu bringen.

Auch Groko in Thema beim Empfang

Abseits des Themas Gleichstellung wurde das Thema Regierungsbildung aufgerufen. Die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) berichtete vom Sondierungsergebnis mit CDU/CSU, auf dessen Basis die Bundes-SPD am Wochenende Koalitionsverhandlungen zugestimmt hatte. In vielen Punkten habe ihre Partei deutliche Akzente setzen können, doch handele es sich „nur“ um Eckpunkte. Mittag sei „guten Mutes“, letzten Endes ein vorzeigbares Ergebnis erreichen zu können.