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Neuntklässler testen Mathe-App Delmenhorster Gymnasium tastet sich ins digitale Zeitalter

Von Britta Buntemeyer | 15.06.2015, 19:48 Uhr

Die Klasse 9a des Willms-Gymnasiums arbeitet mit einer App, die einen Taschenrechner ersetzt. Die Schüler werden allmählich an die digitalen Herausforderungen herangeführt.

Präsentationen auf dem Smartboard, Apps zur Unterrichtserleichterung, effizientes Googeln für die Recherche: Die Digitalisierung des Lebens macht auch vor den Schulen nicht halt. Die Klasse 9a des Gymnasiums an der Willmsstraße testet seit einigen Wochen die App „GTR Easy“, die einen graphikfähigen Taschenrechner ersetzt. Klaas Wiggers ist in der Entwicklung der App involviert – er ist nicht nur Lehrer für Mathe und Geschichte am Willms, sondern auch für den Schulbuchverlag Schroedel tätig, der die Software in Kooperation mit dem Elektronikkonzern Samsung entworfen hat. Mit dem praktischen Test im Unterricht sollen mögliche Fehlfunktionen aufgedeckt und Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.

Kostenloses Tablet für ein Jahr

Zudem steht jedem Schüler der Testklasse ein Jahr lang ein kostenloses Tablet von Samsung zur Verfügung. Diese sind über WLAN mit einem Beamer verbunden. Präsentationen können somit von jedem Tablet aus direkt an die Wand geworfen werden.

Wissen reflektieren – Kompetenzen lernen

Am Montag erstellten die Neuntklässler ein Lernvideo über eine Strahlensatzaufgabe. Die Aufgabenstellung erfolgte noch ganz analog – auf Papier sowie durch Klaas Wiggers. „Eigentlich sollte der Auftrag auch digital sein“, so der Lehrer. „Aber wir tasten uns gerade noch vor.“ Ob digitale Aufgabenblätter oder online erzeugte Tafelbilder – vieles ist mittlerweile möglich. „Die Schüler werden technisch an die Herausforderungen herangeführt“, erklärt Wiggers. Die Tablets machen sich auch in anderen Fächern bezahlt. So ermöglichen sie laut Wiggers unter anderem schnelle Recherchen. Denn auch Googlen will gelernt sein. „Das digitale Medium bietet vielfältige Möglichkeiten“, betont der Lehrer. „Die Schüler reflektieren ihr Wissen und erlernen Kompetenzen.“

Papier noch unersetzbar

Dennoch: Bücher und Papier haben noch nicht ausgedient. „Wir setzen die digitalen Angebote selektiv ein“, erläutert Schulleiter Stefan Nolting. „Sie werden nicht bei Klassenarbeiten, Hausarbeiten und Klausuren benutzt. Psychologische Studien belegen, dass etwas länger im Kopf bleibt, wenn man es selbst zeichnet.“ Daher lautet der Grundsatz: Erst wird etwas zu Papier gebracht, dann auf den Bildschirm.

Videos für Wiederholungen

Juliane (15), Amelie (15) und Jan (15) aus der 9a mussten sich erst einmal an die neue Technik gewöhnen. „Das war schon ungewohnt“, sagt Amelie. Aber für die praktische Unterrichtsarbeit durchaus sinnvoll. „Wir können Präsentationen viel schneller, innerhalb einer Stunde erstellen“, erklärt Jan. „Oder der Lehrer kann nicht zehnmal wiederholen, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Aber ein Video können wir uns immer wieder angucken.“

„Wir evaluieren nun, welche Vorteile die Laptopklasse bringt und wo der Nutzen vielleicht auch begrenzt ist“, so Nolting. Klar ist aber auch: Es soll keine „absolute Technikgläubigkeit“ herrschen. Im kommenden Schuljahr soll dann eine Arbeitsgruppe erörtern, ob und ab welchem Schuljahr die Anschaffung eines Tablet sinnvoll ist und welche Voraussetzungen nötig sind.