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Niederdeutsches Theater Delmenhorst Jungs un Deerns zeigen brandaktuelles Theater

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 04.06.2016, 13:34 Uhr

Die Jungs und Deerns des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst (NTD) zeigen mit „Hopnung“ ein grandioses und hochkomplexes Theaterstück.

Die Jungs un Deerns leben am Puls der Zeit. Diesen Eindruck muss der Besucher der neuen Jugendproduktion „Hopnung“ von Martina Brünjes geradezu mit nach Hause nehmen.

Brandaktuelles Thema zum Einstieg

Denn das gut 20-köpfige Ensemble aus Schülern, vor allem aber Schülerinnen, steigt mit einer kleinen Parabel zu einem vorherrschenden, brandaktuellen Thema unserer Gesellschaft ein: Sie stellen eine Demonstration auf der Bühne nach – eine fremdenfeindliche Kundgebung, im Zuge derer die Demonstranten schlicht „Ausländer und Flüchtlinge raus“ fordern. Diese verstehen nicht, worum es geht, und brüskieren die Demonstranten unfreiwillig durch Freundlichkeit: Sie sind es, die auf die „Gastgeber“ zugehen, nicht umgekehrt - eine furchtbar peinliche, geradezu beschämende Situation, die den Zuschauer sofort ergreift.

Dramaturgisch geschicktes Stück

Brünjes und ihre Jungs un Deerns nutzen den starken Einstieg, um zunächst in kleinen Dialogen am Thema Fremdenfeindlichkeit festzuhalten und schließlich, dramaturgisch geschickt, den Komplex auszuweiten. Jetzt geht es um Außenseitertum im Allgemeinen – und darum, dass wohl jeder Jugendliche zumindest zeitweise ein Lied davon singen kann.

Ein Licht am Ende des Tunnels

So macht die einen zu Außenseitern in der verklemmten Clique, dass sie offen und für jedermann ersichtlich ein Liebespaar bilden. Dieses Paar, so die „Sorge“ der anderen, mache tatsächlich all das, was sie ihrerseits in der „Bravo“ lediglich über Paare nachlesen könnten. Andere Jugendliche geraten ins Abseits, weil sie in der Schule abrutschen oder auch, weil sie im Zuge ihrer Pubertät mit den Eltern in Clinch geraten. Der Clou des etwa 40-minütigen Stücks aber liegt darin, dass sich letztlich immer auch ein bisschen Licht am Ende des Tunnels auftut. Nicht umsonst heißt das Stück „Hopnung“, nicht „Verdammnis“.

Stürmischer Applaus für die 20 Jugendlichen

Etwa 120 Zuschauer bedenken die Jungs un Deerns des NTD am Ende der Vorstellung in der Annenheider Straße mit stürmischem Beifall.