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Niederdeutsches Theater Delmenhorst Nöte eines Bigamisten sorgen für reichlich Lacher

Von Dirk Hamm | 20.03.2016, 16:14 Uhr

Turbulente Handlung, aberwitzige Situationskomik, gut aufgelegte Darsteller: Das Niederdeutsche Theater Delmenhorst hat mit der Komödie „Lögen hebbt junge Been“ eine gelungene Premiere gefeiert.

Es ist schon ein atemberaubendes Lügengebäude, das Komödienautor Ray Cooney in seinem Theaterstück „Caught in the Net“ gezimmert hat. Von Kay Kruppa als „Lögen hebbt junge Been“ ins Plattdeutsche übertragen, sorgte die temporeiche Boulevardkomödie am Samstagabend im Kleinen Haus für einen Lacher nach dem anderen.

Mit seiner dritten Premiere in dieser Spielzeit hat das Niederdeutsche Theater Delmenhorst voll ins Schwarze getroffen. Rund 500 Zuschauer hatten hörbar von der ersten bis zur letzten Szene ihre helle Freude an der schwungvollen Inszenierung unter der Regie von Dirk Wieting und mit spielfreudigen Darstellern, die im rasant-chaotischen Handlungsablauf viel Sinn für gutes Timing bewiesen.

Die Geschichte ist in Bremen angesiedelt. In den Stadtteilen Neustadt und Arsten, um genau zu sein. Der Zuschauer blickt gleichzeitig in zwei Wohnungen, eine in jedem Stadtteil, und verfolgt, wie sich die Handlung parallel entfaltet – ein Vorteil, den die Figuren des Stücks naturgemäß nicht haben. Daraus ergeben sich die aberwitzigsten Verwicklungen.

Unscheinbar wirkender Taxifahrer löst Chaos aus

Auslöser des vergnüglichen Tohuwabohus ist der äußerlich eher unscheinbar wirkende Taxifahrer Klaus Bruns (gespielt von Heiko Petershagen). Der hat sich jedoch seit vielen Jahren mit einem delikaten Geheimnis eingerichtet: Er ist gleich zweimal verheiratet – zur selben Zeit, wohlgemerkt. Mit Martina (Doris Ostermann) und Tochter Vera (Rabea Hadeler) genießt er das Familienglück in Neustadt, mit Beate (Elga Eilers) und Sohn Gregor (Franz Pache) in Arsten.

So weit so gut. Mit ein bisschen Vorsicht lässt sich das Bigamisten-Dasein ja ganz gut managen. Wären da nicht die Tücken des Internets, denn ausgerechnet die beiden Teenager lernen sich online kennen und wollen sich treffen. Das gilt es natürlich zu verhindern.

Rasante Situationskomik und abstruse Ausflüchte

Fast möchte man Mitleid mit dem vorgeblichen Muster-Ehemann haben, dessen Doppelleben aufzufliegen droht. Heiko Petershagen verleiht dem Protagonisten die verzweifelte Note, die die rasante Situationskomik erst so richtig zur Entfaltung bringt. In puncto Kreativität beim spontanen Vorbringen von abstrusen Ausflüchten übertrifft den ehefreudigen Taxifahrer noch dessen Kumpel und Untermieter Ralf Gärtner.

Grandios, wie Torsten Wieting den leicht trotteligen Mitwisser, der seinem Freund mit allen Mitteln den Rücken freihalten muss, mit einer Mischung aus Aktionismus und Resignation verkörperte. Als dann im zweiten Teil auch noch Ralfs verwirrter Vater (Peter Eggert) aufkreuzte, war das amüsante Chaos endgültig perfekt.

Frenetischer Beifall für das gesamte Team

Lediglich einige Szenen, in denen die Lacher aus altbackenen tuckenhaften Schwulen-Klischees generiert wurden, wirkten etwas deplatziert. Auch hätte die Inszenierung, als sich die Handlungsmuster ständig aufs Neue wiederholten, ein wenig gestrafft werden können. Am Schluss wartete das Stück mit einer atemberaubenden Wendung und einer Schlusspointe auf, die die Zuschauer in einen finalen Lachkrampf stürzten. Minutenlanger, frenetischer Beifall für die Laienschauspieler und das Team hinter den Kulissen waren der verdiente Lohn für eine gelungene Premiere.