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Niedersachsen feiert Geburtstag Vor 70 Jahren: Ein Bundesland per Federstrich

Von Helmut Steinert | 29.10.2016, 11:45 Uhr

Niedersachsen wird 70: Per Verordnung ging unter anderem das Land Oldenburg im November 1946 in dem neuen Bundesland auf. 1975 stand dessen Wiedererstehen auf der Tagesordnung.

Durch Verordnung Nr. 55 der Militärregierung vom 1. November 1946 wurde das Land Niedersachsen aus der Taufe gehoben. Zugleich wurden einige Gebiete wie das nördlich der Elbe gelegene Amt Neuhaus und einige östliche Teilgebiete von Braunschweig an die Länder Mecklenburg und Sachsen-Anhalt abgegeben. Das Amt Neuhaus kehrte durch dortigen Gemeinderatsbeschluss im Jahre 1993 in das Land Niedersachsen zurück. Lippe-Detmold war von den Briten ebenfalls als Teil von Niedersachsen vorgesehen. Per Entscheidung vom 21. Januar 1947 wurde es dann aber Nordrhein-Westfalen angegliedert.

Verbindende Grundlage der Sachsenstämme

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der größte Teil Niedersachsens im alten Stammesgebiet der Sachsen liegt. So zieht man eine Grenze von Nordelbien nach Süden bis Westfalen und in das heutige Sachsen. In diesem Bereich zeigt sich durch die Jahrhunderte eine verbindende Grundlage der Sachsenstämme. Sicherlich sind bis in unsere Zeit regionale Unterschiede gewachsen. Eine andere Bindung ist die Gemeinschaft der Friesen, dies sieht man im Küstenstreifen zwischen Weser und Ems, wo sich die Friesen bis heute behaupten.

Aus vier Herrschaftsbereichen ein Land gebildet

Der Widerstand der Sachsen im Kampf gegen die Franken und die Eroberung des Sachsenreiches im 8. Jahrhundert haben die Grundlage eines sächsischen Stammesherzogtums herausgebildet. Unter der Herrschaft Heinrich des Löwen konnten regionale Herrschaften bis 1180 fortbestehen.

Nach Ende dieses Reiches haben sich 40 selbstständige Gebiete gebildet. Aus ihnen sind vier Herrschaftsbereiche hervorgegangen: Hannover, Braunschweig-Wolfenbüttel, Oldenburg und Schaumburg-Lippe. Aus diesen vier Herrschaftsbereichen wurde 1946 das Land Niedersachsen gebildet.

Folgenlose Volksbegehren im Jahr 1956

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland räumte für Länder mit veränderter Zugehörigkeit die Möglichkeit einer Neugliederung des Bundesgebietes durch Volksbegehren ein. So wurden in Oldenburg und Schaumburg-Lippe 1956 Volksbegehren durchgeführt mit der Möglichkeit, diesen Ländern wieder zur Eigenständigkeit zu verhelfen. Es stimmten 12,9 respektive 15,3 Prozent der dortigen Wähler dafür, also mehr als die geforderten zehn Prozent. Landes- und Bundesregierung ignorierten danach aber ihre Pflicht, entsprechende Gesetze zur Abstimmung zu bringen.

Im Jahr 1975 kam es aber in Oldenburg doch zu einer Volksabstimmung, bei der 31 Prozent für die Selbstständigkeit votierten, was nach einer Entscheidung des Bundestags aber folgenlos blieb. So trat nun eine regionale Ruhe ein, und es begann sich eine gemeinsame Identität in Niedersachsen zu entwickeln.

Überbleibsel der früheren Eigenständigkeit

Das ehemalige Großherzogtum Oldenburg zeigt aber noch starke Pfeiler alter Eigenständigkeit. So gibt es einen selbstständigen DRK-Landesverband Oldenburg neben dem DRK-Landesverband Niedersachsen. Dies ist historisch begründet: Oldenburg war eines der beiden Reichsländer, die als erste die Genfer Konvention anerkannten. Auch hat Oldenburg einen eigenen Bischofssitz behalten. Insgesamt ist aber auch im Oldenburger Land eine gute Integration in das neue Bundesland Niedersachsen gelungen.