Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Noch kein Urteil Revisionsprozess gegen Henning Suhrkamp eröffnet

Von Alexander Schnackenburg | 26.10.2015, 16:16 Uhr

Das Landgericht Oldenburg verhandelt seit diesem Montag in zweiter Instanz den Kinderporno-Prozess gegen den fraktionslosen Delmenhorster Ratsherrn Henning Suhrkamp.

Das Amtsgericht Delmenhorst hatte Suhrkamp im Februar dieses Jahres wegen des Besitzes sowie der Beschaffung kinder- und jugendpornografischer Inhalte zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 30 Euro verurteilt.

Gegen dieses Urteil war Suhrkamp in Berufung gegangen – allerdings auch die Staatsanwaltschaft. Während die Anwälte des 45-jährigen auf einen Freispruch ihres Mandanten hinaus wollen, fordert die Staatsanwaltschaft eine höhere Geldstrafe, „vielleicht sogar eine Freiheitsstrafe“. Der Angeklagte sagte am Montag, der Empfehlung seines Verteidigers folgend, nicht aus.

Daten aus dem Zwischenspeicher nicht ausreichend beachtet?

Während die Staatsanwaltschaft ihren Revisionsantrag vor dem Oldenburger Schöffengericht damit begründete, dass das Amtsgericht Delmenhorst zu Unrecht belastende Dateien aus einem Zwischenspeicher auf Suhrkamps Computer nicht in das Urteil habe einfließen lassen, versucht die Verteidigung darzulegen, dass ein Dritter dem Ratsherrn die pornografischen Inhalte untergeschoben haben könnte, da sehr viele Personen Zugang zum Besitz ihres Mandanten gehabt hätten.

Material bei Umzug aufgetaucht

Das belastende Material war aufgetaucht, als ehemalige Mitbewohnerinnen und Nachbarinnen Suhrkamps zurückgelassenen Hausrat zu dessen neuer Wohnung nachtragen wollten und im Zuge dessen sortierten. Dabei stießen sie auf zahlreiche Fotos mit nackten und leicht bekleideten Kindern, insbesondere Jungen, inmitten unauffälliger Unterlagen wie Reiseprospekte. Polizeiliche Ermittler entdeckten später weitere belastende Bilder auf dem Computer und diversen Speichermedien Suhrkamps, die zum Teil „in grob anreißerischer Weise pornographische Handlungen mit Jugendlichen“ darstellten, wie das Amtsgericht Delmenhorst später urteilte.

Untersuchung auf Fingerabdrücke

Zeugenaussagen brachten am Montag keine ersichtlich neuen Erkenntnisse. Das Landgericht Oldenburg prüft nun unter anderem einen Antrag der Verteidiger Suhrkamps, sämtliche Papierabzüge von pornografischen Inhalten, die ihren Mandanten belasten, auf Fingerabdrücke untersuchen zu lassen. Es setzt die Verhandlung am Donnerstag, 12. November, fort.

Weiterlesen: Delmenhorster Politik befürchtet Schaden durch Ratsherren vor Gericht