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Noch nicht alle Schäden behoben Nach Brand in Ganderkesee: Jounoussa hat wieder ein eigenes Zimmer

Von Mareike Bader | 18.10.2017, 12:06 Uhr

Vier Monate nach dem Kinderzimmerbrand in Ganderkesee ist der Alltag bei der Familie wieder zurückgekehrt. Doch so schnell ist das Unglück nicht vergessen.

Hell und frisch sieht es im Obergeschoss der Familie Bestier im Ganderkseeer Eichhörnchenweg aus. Kaum etwas erinnert an den Kinderzimmerbrand vom Juni. Die Familie hat frisch renoviert – dabei lag die eigentliche Renovierung gerade mal zwei Jahre zurück.

Im Zimmer von Enkel Jounoussa ist alles neu, denn das Feuer hat die komplette Einrichtung zerstört. Sogar der Fernseher war angeschmolzen, wie auf einem Bild zu sehen ist, das Roland Bestier gemacht hat. Auch Jounoussas Kleidung ist neu. Außer den Sachen, die im Wohnzimmer standen und den Klamotten, die er am Brandabend trug, hat der Junge nichts mehr gehabt, erzählt Roland Bestier.

Anstrengender Sommer

„Das gönne ich keinem“, sagt Roland Bestier über den Brand im Juni. Hinter der Familie liegt ein anstrengender Sommer voller Schicksalsschläge und viel Arbeit. Denn das gesamte Obergeschoss war durch den Brand beschädigt. Fast alles musste ausgetauscht werden.

Mehrfachstecker, die mit einem Schalter ausgemacht werden, gibt es im Haus heute nicht mehr. Denn das war der Übeltäter. Dabei war die Steckdosenleiste ausgeschaltet. Durch einen Kurzschluss hat sich der kleine Schalter derart erhitzt, dass alles in Brand geriet, erklärt Elektriker Roland Bestier. Das geschah aber so schleichend und war dann so heiß, dass weder die Sicherung der Leiste, noch der Rauchmelder rechtzeitig Alarm schlagen konnten. Inzwischen gibt es im Haushalt Bestier nur noch Stecker, die mit einer Fernbedienung an- und ausgeschaltet werden.

Keine Probleme mit der Versicherung

Ausdrückliches Lob geht hier weiterhin an die Feuerwehr, die schnell da war und durch den Einsatz der Wärmebildkamera ganz wenig Löschwasser einsetzen musste. Auch mit der Hausrat- und Gebäudeversicherung ging alles zügig über die Bühne. Schon wenige Tage danach konnte die Renovierung starten.

Die Familie wollte sich nicht komplett neu einrichten. Die Schlafzimmermöbel habe sie gründlich abgewaschen, erzählt Angela Bestier. Vieles habe sie selbst erledigt, auch wenn die Versicherung die Arbeit oder den Ersatz bezahlt hätte. Auch im Hotel wollte sie nicht schlafen, teilte sich lieber mit ihrem Enkel das Ecksofa.

Feine Rauchpartikel wurden zur großen Belastung

Roland Bestier musste nach einer Woche im Gästezimmer, das im Obergeschoss liegt, einsehen, dass er dort nicht schlafen kann. Zu hoch war dort immer noch die Belastung durch die feinen Rauchpartikel. Wie Spinnfäden haben sich diese an Türrahmen festgesetzt, erzählt er. „Dafür entdeckst du heute jede Spinnwebe“, scherzt der elfjährige Jounoussa.

Zwei Monate dauerte es, bis alles ausgetauscht war – neben Einrichtung, Kleidung und Spielsachen auch Böden oder Teppiche. „Die Fenster haben am längsten gedauert“, berichtet Jounoussa. Doch noch sind nicht alle Schäden behoben. Einen Monat nach dem Brand wollte die Familie auch das Wohnzimmer streichen lassen. Der beauftragte Maler merkte bei den dunkleren Stellen, etwa an den Fenstern, dass auch dies Rauchschäden sind.

Berufsfeuerwehrmann bleibt der Traumjob

Für Jounoussa scheint der Brand in weiter Ferne zu liegen. Es gibt ja auch jede Menge in der Schule zu tun – etwa Latein lernen. Denn das braucht man für den medizinischen Teil der Feuerwehrmannsausbildung, erklärt der inzwischen Elfjährige. Das Ziel, Berufsfeuerwehrmann zu werden, hat er immer noch fest vor Augen. Die Erfahrung, beim Brand richtig gehandelt zu haben, hat ihm gezeigt, dass dies der richtige Weg für ihn ist, bestätigt er.