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Notdienst in Delmenhorst Apotheken sind im Nacht- und Notdienst für Patienten da

Von Marco Julius | 11.10.2017, 10:41 Uhr

Mittel gegen Fieber, die „Pille Danach“, Tabletten gegen den Schmerz: Wer nachts oder am Wochenende Hilfe benötigt, der findet immer eine offene Apotheke, die den Notdienst übernimmt.

Wenn es nachts um 3 Uhr an der Tür klingelt, weiß Apotheker Frank Redeker nicht, was ihn erwartet. Ein echter Notfall? Ein Kunde, der mit seinem Arzneiwunsch auch bis zum Morgen hätte warten können? Redeker ist für jeden da. Zu den allgemeinen Ladenöffnungszeiten. Oder eben auch nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Immer dann, wenn seine Löwen-Apotheke an der Bremer Straße (bei Inkoop) mit dem Notdienst dran ist.

Klingelt es um 3 Uhr, dann ist es gut möglich, dass Redeker gerade schläft. Für gewöhnlich legt er sich gegen 1 Uhr hin, wenn er Nachtdienst hat. „Dann ist das Hauptgeschäft durch und es wird ruhiger“, ist seine Erfahrung. Seit 33 Jahren arbeitet er als Apotheker. Nicht immer muss er im Dienst nachts wieder hoch. Wenn er aber gefragt ist, „dann steigt erst einmal der Blutdruck und ich komme nicht so schnell wieder in den Schlaf.“ Ärgerlich sei das, wenn er für ein Bagatellfall aus dem Schlaf gerissen werde. Aber so sei das eben – und als Apotheker nehme er jeden Kunden ernst. Und seinen Beruf, den macht er noch immer gern.

„Hort der Sicherheit“

„Eine Apotheke ist ein Hort der Sicherheit“, sagt Redeker. „Wir machen ein niedrigschwelliges Angebot.“ Es komme immer mal wieder vor, dass jemand nachts vor der Tür steht, der eigentlich besser direkt einen Arzt gerufen hätte. „Da muss der Apotheker im Gespräch auch herausfinden, wie ernst die Lage ist und im Zweifel sagen: ;So wie Sie aussehen, brauchen Sie einen Arzt und nicht mich.“ Aufgrund der großen Verantwortungen dürfen die Notdienste in den Apotheken auch nur von ausgebildeten Apothekern übernommen werden.

22 Apotheken aus dem erweiterten Stadtgebiet teilen sich die Notdienste untereinander auf. Für etwa 100.000 Menschen in Delmenhorst und umzu sind die Apotheken dann da – von 8.30 Uhr bis 8.30 Uhr. Die Löwen-Apotheke von Redeker übernimmt im Jahr etwa 18 Dienste. „Das ist eine moderate Belastung“, sagt der Apotheker, der sich seine Dienste zudem mit seinen Angestellten Svetlana Arabadji und Knut Hartmann teilt. „In der Fläche, im ländlichen Raum“, da sähe die Sache aber schon ganz anders aus. Da müssten Kunden auch weitere Wege in Kauf nehmen.

Wer kommt nachts zur Apotheke?

Doch wer kommt nachts zur Apotheke? „Zum Beispiel die Nasenspray-Junkies“, sagt Knut Hartmann lachend. Die, die eine Abhängigkeit entwickelt haben und ohne Spray nicht mehr können. Eltern, deren Kind plötzlich Fieber bekommen hat. Menschen mit akuten starken Schmerzen, die Schmerzmittel brauchen. Oder ein Thermopflaster für den Rücken. „Und immer öfter taucht auch der Wunsch nach der ,Pille Danach‘ auf“, ergänzt Svetlana Arabadji. „Da muss man oft viel Aufklärungsarbeit leisten. Es ist zum Teil erschreckend, wie wenig über Verhütung bekannt ist“, sagt Redeker. Ein guter Rat, die gewünschte Information: Auch das liefert der Apotheker. „Das gibt es nicht im Netz. Internet-Apotheken machen keinen Notdienst“, bekräftigt der Leiter der Löwen-Apotheker. An Sonntagen kommen mindestens 150 Menschen zur Notdienst-Apotheke. „Das ist eine echte Hausnummer. Da ist dann schon ordentlich was los.“, sagt Redeker.

Geschultes Auge gefragt

Im Kontakt mit dem nächtlichen Kunden braucht der Apotheker ein geschultes Auge. „Ich muss auch erkennen, ob ich das gewünschte Medikament wirklich bedenkenlos herausgeben kann“, sagt Redeker. Ein Alkoholiker, der Mittel gegen die Folgen des Entzugs möchte, aber deutlich betrunken ist, bekommt dann eine Absage. „Das Medikament darf nur im nüchternen Zustand eingenommen werden. Alles andere wäre gefährlich.“

Apropos gefährlich: Die Notdienstklappe der Löwen-Apotheker ist gut gesichert, die Mitarbeiter sind geschult, damit sie sich bei nicht selbst gefährden. Die Tür bleibt nachts zu. Passiert sei aber zum Glück noch nichts. Kein Grund, um zu klagen. Und klagen werden Redeker und seine Kollegen auch dann nicht, wenn es demnächst nachts um 3 Uhr wieder klingelt.