Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Notlage durch Wohnungseinbruch Delmenhorster Unternehmer hilft Ugander aus der Klemme

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 02.06.2016, 08:48 Uhr

Durch einen Einbruch in seine Wohnung geriet der Ugander Samuel Kizito in Not. Nur durch die Unterstützung des Unternehmers Johann Woltermann konnte er die missliche Lage meistern.

Ein Einbruch in seine Wohnung an der Düsternortstraße zu Beginn des Jahres hat den Ugander Samuel Kizito in eine prekäre Lage versetzt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelte in dem Fall zwar, stellte das Verfahren nun aber zum Unverständnis und Nachteil des Afrikaners ein, sodass der 28-Jährige kaum Chancen auf Schadensersatz hat. Insgesamt wurden Kizito im Januar Wert- und Einrichtungsgegenstände in Schadenshöhe von mehreren Tausend Euro gestohlen. Nur dank der Hilfe des Delmenhorster Unternehmers Johann Woltermann konnte der Jura-Student die Notlage bewältigen.

„Hilflos der Situation ausgesetzt“

„Hier ist ein Unschuldiger der Situation hilflos ausgesetzt. Während der Täter verschont bleibt, wird das Opfer, das ohnehin wenig hat, weiter geschädigt, indem es keinen Schadensersatz bekommt“, kritisiert Woltermann das Verhalten der Staatsanwaltschaft. Schon seit Jahren steht der Geschäftsmann Kizito als Mentor zur Seite und unterstützt ihn finanziell, um ihm ein Studium in Bremen und eine Unterkunft vor Ort zu ermöglichen. Als bei Kizito eingebrochen wurde und ihm neben Flachbildfernseher und Spielkonsole sowie weiterer elektronischer Gegenstände auch Geschirrspüler, Kühlschrank und sämtliches Küchenmobiliar entwendet wurde, organisierte Woltermann dem Studenten kurzerhand eine neue Wohnung und richtete diese auch gleich ein. „Sein Fleiß und Auftreten beeindruckt mich. Solche Menschen brauchen wir in unserer Gesellschaft“, lobt Woltermann den jungen Ugander.

Enttäuscht über Vorgehen der Staatsanwaltschaft

2009 kam Kizito aus Ostafrika nach Delmenhorst. Innerhalb von zwei Jahren lernte er an einem Sprachinstitut in Bremen Deutsch, um 2011 das Studium der Rechtswissenschaft zu beginnen. Heute steht er kurz vor dem Ersten Staatsexamen. Bislang habe er den Aufenthalt in Deutschland stets genossen, vom Handeln der Polizei und der Staatsanwaltschaft sei er nun allerdings sehr enttäuscht, sagt Kizito im Gespräch mit dem dk. Seinem Empfinden nach haben sich die Beamten beim Aufnehmen der Anzeige „äußerst unfreundlich verhalten“ und „wenig kooperativ gezeigt“. Für ebenso ungerecht hält Kizito das Agieren der Staatsanwaltschaft, die in einem Schreiben mitteilte, das Verfahren gemäß Paragraf 154 Absatz 1 der deutschen Strafprozessordnung einzustellen.

Staatsanwaltschaft: „Einstellung des Verfahrens üblicher Vorgang“

Auf dk-Anfrage bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg, dass von der Erhebung einer öffentlichen Klage abgesehen werde, da dem Beschuldigten schwerwiegendere Taten ebenfalls zur Last gelegt werden. Eine Verfolgung der von Kizito angezeigten Tat falle dabei nicht weiter ins Gewicht. „Auch wenn die Einstellung des Verfahrens für den Geschädigten ziemlich unglücklich ist, handelt es sich hierbei um einen völlig üblichen Vorgang“, so die Sprecherin.

Aufgeben kommt für Kizito nicht in Frage

Für den Ugander bedeutet die Einstellung des Verfahrens, dass seine Hoffnung auf Schadensersatz gen null geht. Eine zivilrechtliche Klage schließt er nämlich aus, da er sich die Kosten nicht leisten könne. Trotz des Unglücks lässt sich Kizito jedoch nicht unterkriegen. Nicht zuletzt wohl deswegen, weil er vor Ort Menschen wie seinen Förderer kennenlernte. „Ich werde nicht aufgeben. Mir gefällt Deutschland. Nach meinem Studium möchte ich gerne hierbleiben, um als Jurist zu arbeiten“, verrät Kizito seine Zukunftspläne.