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Oberbürgermeister im Interview Jahnz fordert Hilfe für Delmenhorster JHD-Beschäftigte

Von Thomas Breuer | 19.09.2017, 21:38 Uhr

Keine Vorwürfe, keine Vorverurteilungen, aber viele offene Fragen zur Lage des Josef-Hospitals Oberbürgermeister Axel Jahnz will alle Zahlen „genauestens erklärt haben“.

Herr Jahnz, wo steht das Josef-Hospital in der jetzigen Situation?

Wir sind da, wo wir schon einmal waren, als es um die Einbringung des städtischen Klinikums in die Holding ging. Damals habe ich Herrn Breidenbach gefragt, ob es das war mit den städtischen Zuweisungen – und ein Ja zur Antwort bekommen. Die neue Situation kommt wirklich überraschend und ich stelle mir auch die Frage: Wieso jetzt?

War das Szenario wirklich nicht absehbar?

Dass die finanzielle Lage eng ist, das wusste jeder. Aber noch einmal: Die jetzige Situation hat uns alle in dieser Form überrascht. Wichtigster Bezugspunkt bleibt für uns der Neubau des Krankenhauses und der Erhalt der Arbeitsplätze. Bis dahin müssen wir uns durcharbeiten und immer wieder neu formieren. Das, was jetzt auf dem Tisch liegt, hat bis vor Kurzem in der Deutlichkeit keiner gewusst. Ich erinnere noch einmal daran: Die jüngste Gesellschafterversammlung hat der Geschäftsführer einberufen. Er musste das tun, weil er kein anderes Mittel als das jetzt angestrebte Schutzschirmverfahren sieht.

Wer hat hier versagt? Die Aufsichtsgremien, die frühere Geschäftsführung oder noch ganz andere Akteure?

Dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern mache ich überhaupt keine Vorwürfe. Wir leben von dem, was man uns gibt, von der Arbeit der Spezialisten. Jetzt haben wir unterschiedliche Zahlen und Prognosen der alten und der neuen Geschäftsführung auf dem Tisch. Diese beiden Säulen will ich genauestens erklärt haben. Alles andere wäre Augenwischerei, und das mache ich nicht mit. Meine Frage lautet: Wurde über die Verhältnisse gelebt oder ist die neue Prognose zu knapp ausgelegt? Dabei gehe ich in keiner Weise in irgendeine Form der Vorverurteilung.

Machen Sie sich persönlich Vorwürfe?

Wir wussten alle, dass die Zeit bis zum Neubau schwer wird. Jedoch konnte keiner eine derartige Situation voraussehen. Wir werden weiterhin in voller Verantwortung an einem sozialen Lösungskonzept mitarbeiten. Für die Mitarbeiter mache ich mir tiefgreifende Gedanken..

Inwieweit wird die Stadt noch einmal finanziell in die Bresche springen müssen?

Diese Stadt bürgt bereits über viele Millionen Euro für das Krankenhaus. Wir haben einen ordentlichen Haushalt der Stadt, der auch noch funktionieren muss – und die Kommunalaufsicht muss diesen genehmigen. Darauf muss ich auch die Politik hinweisen, der natürlich an der Rettung des Krankenhauses gelegen ist. Wir reden bislang ja nur über 2017. Wenn sich strukturell im Krankenhausbetrieb nichts verändert, geht das 2018 ja alles so weiter.

Was können Sie den Mitarbeitern des JHD und seinen (künftigen) Patienten zum jetzigen Zeitpunkt mit auf den Weg geben?

Die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt ist gesichert, das ist ein medizinisch gut aufgestelltes Krankenhaus. Für die Mitarbeiter tut mir die Situation unendlich leid. Ich kann allen nur raten, sich in jeder erdenklichen Form beraten zu lassen. Dafür gibt es Betriebsräte und Mitarbeitervertretungen. Den Menschen muss aber aktiv Hilfe angeboten werden und die muss nach meiner persönlichen Meinung aus dem Haus selbst kommen.