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Objekte, die Geschichte(n) erzählen Mandarin als ein exotisches Markenzeichen der Nordwolle

Von Dirk Hamm | 13.08.2016, 12:24 Uhr

Es wird meist übersehen beim Betreten des Fabrikmuseums auf der Nordwolle: Im Eingangsbereich des Museums ist links hinter einer Vitrine ein Sandsteinrelief zu entdecken, das einen achtzackigen Stern abbildet, darunter der Schriftzug „NWK“ für die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei.

Hans-Hermann Precht, ehemaliger Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur, klärt in diesem Zusammenhang ein Missverständnis auf: „Es ist eine irrige Annahme, dass der Widder das Wahrzeichen des Konzerns war. Das war er nur für das Delmenhorster Werk.“ Bei diesem lokalen Wahrzeichen, das sowohl am Nordtor der Nordwolle als Skulptur sowie am Wasserturm des alten Fabrikgebäudes auszumachen ist, handelt es sich übrigens um das Merinoschaf, von dem die wertvollste Wolle für die Produkte der NWK gewonnen wurde.

Firmenemblem erinnert an Glanzzeiten der Nordwolle

Das Firmenemblem mit dem achtzackigen Stern erinnert an die glanzvollen Zeiten des Nordwolle-Konzerns. Es ist dabei noch deutlich älter als das 1884 gegründete Wolle-Unternehmen: Es stammt aus der 1651 in Altona-Bahrenfeld gegründeten Wollgarn- und Strumpffabrik, die bis 1897 als Joh. W. Paapsche Spinnerei und Färberei betrieben wurde. Diese wurde schließlich von der NWK übernommen und in die Sternwoll-Spinnerei Bahrenfeld umgewandelt. Ein Schritt, der laut Precht den beginnenden Ausbau der NWK zum später größten europäischen Wollkonzern kennzeichnete.

Warenzeichen wurden in allen Variationen geschützt

Beim Rundgang durch das Fabrikmuseum können an einer Wand zahlreiche ausländische Urkunden über die Eintragung von Warenzeichen für die Produkte der NWK und ihrer Tochtergesellschaften in Augenschein genommen werden. Von den europäischen Absatzmärkten bis hin zur Republik China sorgte der Wollekonzern dafür, dass Stern-Emblem, Warenzeichen und Markennamen in allen möglichen Variationen geschützt wurden.

Urkunde aus China aus dem Jahr 1931

Mitunter sehr exotisch muten manche der Warenzeichen an. Im August 1931 – interessanterweise nach dem Konkurs des Unternehmens vom Juli desselben Jahres – wurde von der zuständigen Behörde der Republik China der Schutz des Markennamens „Mandarin“ um 20 Jahre verlängert. Die Urkunde enthält eine farbenprächtige Darstellung eines sitzenden Mandarins, in die das Sternsymbol als ein fast zu übersehendes Detail integriert ist.

Modernisierung der NWK in den 20er Jahren

„Man sieht daran, wie sich die NWK in den 20er Jahren als ‚global player‘ aufgestellt hat. Mitte des Jahrzehnts wurde der Konzern einer Modernisierung und Rationalisierung unterzogen, mit dem Ziel, weltweit Marktführer zu werden“, erläutert Hans-Hermann Precht. Das Unternehmen habe dabei angestrebt, seinen markanten Stern und das Kürzel „NWK“ so zu etablieren, dass es für eine Gruppe von Textilprodukten genauso allgemeingültig steht wie damals etwa „Persil“ für Waschmittel.

Rechtsabteilung richtete „Wachdienst“ ein

Um „jeden Versuch der Nachahmung im Keime zu ersticken“, hat die Rechtsabteilung des Konzerns einen „förmlichen Wachdienst“ eingerichtet, wie es in einem dicken Handelsmarken-Kompendium der NWK aus dem Jahr 1926 heißt.