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Objekte, die Geschichte(n) erzählen Mühlen-Modell in Hasbergen führt zurück ins Jahr 1687

Von Dirk Hamm | 03.06.2017, 11:29 Uhr

Bis 1986 war die Wassermühle in Hasbergen in Betrieb. Heute beherbergt sie ein Museum, das tiefe Einblicke in die Mühlengeschichte gewährt.

In Roland Buschmeyers Leben spielt die Museumsmühle in Hasbergen eine nicht unwesentliche Rolle. Der 76-Jährige, der ganz in der Nähe wohnt, führt an den Wochenenden Besucher durch das alte Mühlengebäude mit den originalen zwei Mahlgängen und erklärt in den Ausstellungsräumen im Anbau zahlreiche Exponate rund um die Mühlengeschichte. Auch am Pfingstmontag, 5. Juni, ist die Museumsmühle anlässlich des bundesweiten Mühlentags geöffnet.

Inventarverzeichnis aus dem Jahr 1687

Im Anbau zieht ein hüfthoch in einer Vitrine ausgestelltes Modell die Blicke auf sich. Mit Liebe zum Detail vermittelt es einen Eindruck von der Stauanlage an der Delme und den damals zwei Mühlengebäuden – gegenüber der Kornmühle befand sich auf dem linken Ufer bis 1899 eine Walk- und Sägemühle –, wie sie vor mehr als 300 Jahren ausgesehen haben. „Das Modell ist nach Angaben aus Dokumenten von 1687 angefertigt worden“, erklärt Buschmeyer. Immer wenn der Landesherr als Eigentümer einen neuen Pachtvertrag abschloss, wurde ein Inventarverzeichnis angelegt.

Mühle erstmals um 1450 erwähnt

Im Jahr 1687 herrschte der dänische König auch über die Grafschaft Delmenhorst. Der Regent belohnte seinen Statthalter, den Drost Kurt Veit von Witzleben, indem er ihm die Hasberger Mühle per Erbpachtvertrag übertrug. Das Inventarium aus jenem Jahr beschreibt auch einen der Stauanlage vorgelagerten großen Mühlenteich.

Das genaue Alter der Hasberger Wassermühle ist nicht bekannt. Erstmals erwähnt wird sie im Oldenburger Salbuch von etwa 1450.

Einschneidende Veränderungen durch Gewerbefreiheit

Einschneidende Veränderungen im Mühlenwesen ergaben sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis dahin galt der Mühlenbann, der den Untertanen vorschrieb, in welcher Mühle sie zu mahlen hatten. Im Großherzogtum Oldenburg wurde mit dem Staatsgrundgesetz von 1852 die Gewerbefreiheit eingeführt und die Erbpacht abgelöst. In der Folge kam es zu einem regelrechten Bauboom, bei dem zahlreiche Windmühlen moderner Bauart errichtet wurden, die aus unserem Nachbarland kommende „Holländer-Windmühle“.

Hochwasserproblem erst spät gelöst

1855 kaufte Johann Hermann Heinrich Strodthoff die Hasberger Mühle. Nach weiteren Besitzerwechseln kam sie schließlich 1926 in den Besitz der Delmenhorster Wasseracht, des heutigen Ochtumverbands. Ein ernstes Problem stellte vor gut 150 Jahren noch das ungehinderte Eindringen des Hochwassers bei Spring- und Sturmfluten dar. Man behalf sich, indem das Mühlengebäude um einen halben Meter angehoben wurde. Der Bau des Delme-Staus 1938 verbesserte die Wasserverhältnisse nachhaltig.

Seit 1991 als Museum zugänglich

1950 wurde eine 45 PS starke Wasserturbine in Betrieb genommen. Die Raiffeisen-Warengenossenschaft Hasbergen pachtete 1955 die Mühle und versah sie mit einem Anbau. Nachdem 1986 der Mühlenbetrieb eingestellt worden war, erfolgte mithilfe der Stadt als Pächterin die Restaurierung. Seit 1991 wird das Gebäude von der Dörfergemeinschaft Hasbergen museal genutzt, insbesondere dank des leidenschaftlichen Engagements von Roland Buschmeyer.