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Objekte, die Geschichte(n) erzählen Seifen und Parfüm von Delespa: Ein Hauch von Exotik

Von Dirk Hamm | 16.12.2017, 12:15 Uhr

Tipps für die Weihnachtsgeschenke gefällig? 1962 hatte die zur Nordwolle gehörende Seifen- und Parfümeriefabrik Delespa eine Reihe von Vorschlägen parat.

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit, und alljährlich steht die Frage im Raum: Mit welchen Präsenten kann ich meinen Liebsten eine Freude bereiten? Parfümerie- und Kosmetikartikel für sie und ihn gehören nach wie vor zu den Klassikern unter den Geschenken, die unter den Weihnachtsbaum gelegt werden. Vor mehr als 50 Jahren konnte zu diesem Zweck auch auf Produkte aus Delmenhorster Fabrikation zurückgegriffen werden, wie ein für das Weihnachtsgeschäft des Jahres 1962 aufgelegter Katalog beweist.

Zwei volle Kartons und eine Vitrine erinnern an Delespa

Schließlich waren in Delmenhorst einst die längst nicht mehr existenten Delespa-Werke ansässig. „Delespa“ stand für „Delmenhorster Seifen- und Parfümerie-Fabrik“. An der Nordenhamer Straße, Ecke Am Friesenpark, zeugen die Backsteingebäude, die heute unter anderem Gastronomiebetriebe, Büros und ein Fitnessstudio beherbergen, von diesem Kapitel Industriegeschichte an der Delme. Sie dienten bis zur Schließung der Fabrik Ende 1966 als Kartonlager und als Verwaltungsgebäude der Delespa. Zwei Kartons mit verschiedenen Delespa-Produkten lagern im Magazin des Industriemuseums auf der Nordwolle. Eine Auswahl kann in einer Vitrine des Fabrikmuseums besichtigt werden.

Luxus-Seife und schicke Verpackung

Recht aufschlussreich ist der Blick in den Katalog von 1962, der aus dem Nachlass des Delespa-Geschäftsführers Friedrich Bahrs stammt und von dessen Enkel vor einigen Wochen dem Museum übergeben wurde. Aus den Produktnamen und den gefällig gestalteten Verpackungen spricht das Bemühen, den Konsumenten mal mit heimeligen Motiven, mal mit dem Duft der weiten Welt zu umgarnen. „Tabaco de Cuba“ etwa, laut Beschreibung „3 große Stücke Luxus-Seife in einem vornehmen Geschenkkarton aus Velour“, Preis: 4,50 DM, versprühte einen Hauch Exotik.

Auch Kölnisch Wasser im Angebot

„Lloyd Original Fichte“ hingegen bot zum selben Preis ebenfalls drei Seifenstücke, „mit dem würzigen Duft der Fichte, verpackt in einer Holzkiste mit Metallverschluss und bunt aufgedrucktem Schwarzwald-Motiv“ – die Welle der Heimatschnulzen im Kino war gerade erst abgeebbt. Ein deutscher Parfümerie-Klassiker war ebenfalls unter den Artikeln zu finden, das Kölnisch Wasser: einmal in Seifenform, zum anderen als „Eau de Cologne Ambrette“. Das „zart bukettierte“ Duftwasser wurde in einer kleinen Vase aus Markenporzellan mit Blumendekor geliefert.

Düfte im eigenen Duftlabor kreiert

„Die Duftzusammenstellung für die Parfümerien und Seifen wurde hausintern im Duftlabor gemacht“, erläutert Hans-Hermann Precht, ehemaliger Leiter des Industriemuseums. Auch für das Design der Verpackungen wurde auf externe Expertise verzichtet, weiß Precht aus einem Gespräch mit Günther Gabriel, der ebenfalls einen Nachlass überbracht hat. Sein Vater, Johann Gabriel, war Leiter der Hausdruckerei von Nordwolle-Fabrik und Delespa.

Weihnachtssaison begann schon nach Ostern

Dieser habe oft zu Hause gesessen und angefangen, Kartonagen zu basteln, die dann von den Mitarbeiterinnen hergestellt wurden. Ab Ostern habe bereits die Weihnachtssaison begonnen: Viele Frauen, die sich als Saisonarbeiterinnen zur Verfügung stellten, riefen dann schon an. Rund 80 Frauen stanzten, druckten und falteten dann monatelang, um die gediegenen Verpackungen für die Delespa-Produkte zu fertigen.