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Objekte, die Geschichte(n) erzählen Stopfen statt Wegwerfen war einst die Devise

Von Dirk Hamm | 15.02.2016, 13:37 Uhr

Eine Reihe von textilen Übungsstücken vermitteln im Nordwollemuseum einen Eindruck vom Handarbeitsunterricht früherer Tage. Hilke Eckmann hat vier Jahrzehnte lang Hauswirtschaftslehre erteilt.

Hausarbeit ist Frauensache – eine solche Aussage ist aus gutem Grund längst nicht mehr zeitgemäß. Und dennoch war dieser Grundsatz in früherer Zeit, die gar nicht so lange zurückliegt, eine Selbstverständlichkeit. Als Hilke Eckmann in einem ostfriesischen Dorf in den 50er Jahren die Volksschulbank drückte, waren ab der dritten Klasse zwei Stunden Hauswirtschaftsunterricht jede Woche Pflicht. „Das galt aber nur für uns Mädchen, die Jungs hatten dann frei“, erinnert sich die 66-Jährige.

Kochen, Nähen, Waschen und vieles mehr musste „die gute Hausfrau“ ganz selbstverständlich beherrschen, erläutert Hans-Hermann Precht, ehemaliger Leiter des Industriemuseums auf der Nordwolle. Es sei früher üblich gewesen, dass junge Frauen vor einer Ausbildung von ihren Eltern erst einmal für ein Jahr auf eine Hauswirtschaftsschule geschickt wurden.

Ab den 80er Jahren auch junge Männer im Hauswirtschaftsunterricht

Genau in diesem Bereich hat die Delmenhorsterin Hilke Eckmann ihre berufliche Bestimmung gefunden. Als Technische Lehrerin wirkte sie zunächst drei Jahre in Aurich, ab 1975 dann an den Berufsbildenden Schulen II (Kerschensteiner Schule) in Delmenhorst. Bis 2013 unterrichtete sie junge Frauen, erst ab den 80er Jahren kamen auch junge Männer hinzu. Die ganze Palette der Haushaltstätigkeiten hat sie vermittelt, auf dem Lehrplan stand die Nahrungszubereitung ebenso wie das Putzen der Silberware.

Und natürlich auch das textile Gestalten, das ihr immer viel Freude gemacht habe, wie Eckmann verrät. Im Industriemuseum hatte sie jetzt Gelegenheit, sich eine Reihe von Musterstücken aus dem Handarbeitsunterricht vergangener Tage vorab anzuschauen. Laut Precht sollen diese vom 8. bis 29. März als Teil einer Sonderausstellung zum Internationalen Frauentag im Museum ausgestellt werden.

Bei Kinder- und Arbeitskleidung früher auf Ausbessern gesetzt

Mit dem Blick der Kennerin begutachtete die ehemalige Lehrerin, die sich als Ruheständlerin heute dem Patchworken widmet, die Übungsstoffe. Zwar stammen sie durchweg aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, sie hätten aber genauso gut in Hilke Eckmanns Hauswirtschaftsunterricht Verwendung finden können. Anhand dieser Objekte lassen sich die Lehrplaninhalte und Lernfortschritte im textilen Gestalten gut nachvollziehen. So sind an einem Übungsstück teils sehr einfache und teils recht komplizierte Stopftechniken ausgeführt worden.

Gerade bei Kinder- und Arbeitsbekleidung sei damals immer wieder auf Ausbessern statt Neukauf gesetzt worden, erklärt Hans-Hermann Precht – eine pure Notwendigkeit in den vielen Arbeiterhaushalten, die mit einem geringen Einkommen wirtschaften mussten.