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Objekte erzählen Geschichte(n) Kriegerdenkmal auf Nordwolle aus Dornröschenschlaf geholt

Von Dirk Hamm | 09.07.2016, 12:25 Uhr

Das Kriegerdenkmal auf der Nordwolle ist in diesem Jahr umfassend saniert worden. Enthüllt wurde das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen NW&K-Arbeiter 1921.

Es lohnt sich, einen Schritt näher heranzutreten, einen Blick auf die 82 in Stein gemeißelten Namen zu werfen. 82 Namen von Männern, die das Grauen des Krieges nicht überlebt haben. Die im Ersten Weltkrieg gefallen sind oder vermisst wurden. Sie sind auf dem Ehrenmal zu entdecken, das nicht weit hinter dem südlichen Haupteingang des alten Fabrikgeländes der Nordwolle links an der Straße Fabrikhof steht. Errichtet wurde die Gedenkstätte zur Ehrung der Kriegsopfer unter den Arbeiter der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei (NW&K), die zwischen 1914 und 1918 zum Kriegsdienst eingezogen wurden.

Von Plan bis Enthüllung in kürzester Zeit

Hans-Hermann Precht, ehemaliger Leiter des Industriemuseums auf der Nordwolle, hat in den Archivbeständen des Museums eine Reihe von Dokumenten aufgestöbert, die Aufschluss über die Phase von der Planung der Gedenkstätte bis zu deren Einweihung am 30. Oktober 1921 geben. Auffällig ist dabei, so hat Precht festgestellt, dass alles im Vergleich zu heute in rasender Geschwindigkeit vonstattenging. Nur wenige Monate vergingen zwischen der Erstellung eines Modells bis zur Fertigstellung des Denkmals.

Fabrikchef G. Carl Lahusen hielt kurze Ansprache

Konzernchef Carl Lahusen war am 26. Juni 1921 verstorben. „Ich vermute, dass sein Sohn Georg Carl als eine der ersten Amtshandlungen als neuer Vorstandschef das Denkmal auf den Weg gebracht hat“, sagt Precht. Am 30. Oktober 1921, einem Sonntag, um kurz nach 11 Uhr, wurde das Denkmal feierlich enthüllt. G. Carl Lahusen hielt eine kurze Ansprache. „Mit dem Liede ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ schloss die schlichte und würdige Feier“, berichtete einen Tag später das Kreisblatt.

Laut Precht geht aus den Akten hervor, dass die Firmenleitung großen Wert darauf gelegt hat, die Angehörigen der Gefallenen und Vermissten an der weihevollen Veranstaltung teilhaben zu lassen: „Alle Hinterbliebenen wurden einzeln angeschrieben, soweit man die Adressen ausfindig machen konnte.“

Erste Restaurierungerfolgte im Jahr 1987

Im Laufe der Jahrzehnte fiel das Denkmal dem „Dornröschenschlaf und allmählichen Verfall“, so Precht, anheim, trotz einer ersten Restaurierung im Jahr 1987. 2012 – inzwischen oblag die Verantwortung für die Gedenkstätte der Stadt Delmenhorst – wurde entschieden, den Platz einer Generalüberholung zu unterziehen. Karl-Heinz Meyer, technischer Mitarbeiter von Stadtgrün, regte an, dazu Mittel zu beantragen.

Instandsetzung mithilfe regionaler Firmen

In Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde konnte zwischen Ende 2015 und Frühjahr 2016 schließlich die Restaurierung erfolgen. Nach Angaben von Katrin Stöver, Fachdienstleiterin Stadtgrün und Naturschutz, wurden mithilfe des Know-hows von Firmen aus der Region unter anderem das schmiedeeiserne Geländer aufwendig aufgearbeitet und fehlende Teile ergänzt sowie der Mauersockel und die beiden Sandsteinpfeiler instand gesetzt.