Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Öffentlichkeit ausgeschlossen Prozess nach Vergewaltigung in Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm | 10.08.2017, 19:19 Uhr

Ein Albtraum zu nachtschlafender Zeit und doch Realität: Um 5 Uhr an einem kalten Februarmorgen vor eineinhalb Jahren hat eine Delmenhorsterin auf offener Straße eine Vergewaltigung über sich ergehen lassen müssen. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter, ein damals 18-jähriger Delmenhorster, begann am Donnerstag vor der großen Jugendkammer des Landgerichts Oldenburg.

Eigentlich konnte sich die Frau damals sicher fühlen. Laut Anklageschrift trug sie gemeinsam mit ihrem Ehemann morgens Zeitungen aus. Doch der Gatte war nicht in unmittelbarer Nähe, als sich der Täter der ihm völlig unbekannten Frau näherte, sie am Arm zog und ihr ein 30 Zentimeter langes Messer an den Hals hielt. „Ich will Sex“, sagt er.

Was dann geschah, brachte das Opfer noch zum Weinen, als sie den mutmaßlichen Täter bei den Ermittlungsbehörden identifizierte: Sie musste Hose und Strumpfhose ausziehen, dann penetrierte er ihr Genital. Er versuchte auch anal und oral, in sie einzudringen. Weil sie sich angesichts seiner Brutalität und des Messers, so gut es ging, wehrte, klappte das aber nicht.

Am Ende die Drohung: „Nächste Woche treffen wir uns wieder hier“, sagte er. „Ich habe keine Freundin mehr, ich brauche jeden Tag Sex“. Kurz darauf muss der Ehemann das Geschehene realisiert haben, wollte erst dem Täter hinterher, kümmerte sich aber erst um seine aufgelöste Ehefrau.

Ekel, Angst und Schmerzen

Der Vergewaltiger konnte fliehen. Ekel, Angst und Schmerzen habe die Frau empfunden, berichtete am Donnerstag die Staatsanwältin: „Noch heute leidet sie.“

Der heute 20-jährige Angeklagte, der Justiz bereits bekannt, ist zurzeit in einer geschlossenen Abteilung der Karl-Jaspers-Klinik untergebracht, einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie. Die Tat soll er unter Drogeneinfluss begangen haben. Neben einer Verurteilung wegen schwerer Vergewaltigung sowie Bedrohung und Körperverletzung erwartet ihn wohl auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Weil es in diesem Prozess damit auch um gesundheitliche Folgen für einen Heranwachsenden geht, wurde die Öffentlichkeit auf Antrag des Verteidigers bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen.