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Oldenburger Straße im Wandel Ein Stück Delmenhorster Stadtgeschichte

Von Heike Bentrup | 26.06.2015, 20:30 Uhr

Leerstände am östlichen Ende der Oldenburger Straße in Delmenhorst, Renovierungs- und Bauarbeiten in Richtung Westen und mittendrin Traditionsunternehmen. Wie der Imbiss Weber, seit 54 Jahren in Familienhand.

Ach ja, das waren noch Zeiten. Damals, als es an der Oldenburger Straße zwischen der Mühlenstraße und der Ludwig-Kaufmann-Straße unter anderem noch ein Lebensmittelgeschäft, eine Heißmangel, die Seilerei Leumann und auch die Buchhandlung Ida Klee gab. Doch vorbei. Wo einst das Leben pulsierte, stehen heute viele Läden leer, sind Schaufenster verwaist und Reklametafeln abmontiert.

Und doch gibt es mittendrin noch einige Traditionsbetriebe, die viele Kunden nicht missen möchten. Einer davon ist der Imbiss Weber an der Oldenburger Straße 22, seit 54 Jahren in Familienbesitz und über die Grenzen Delmenhorsts bekannt für seine Hähnchen. Davon zeugt auch der Keramikgockel, der als Markenzeichen im Fenster thront.

„Unsere Gäste kommen nicht nur aus Delmenhorst, sondern auch aus Ganderkesee, Bremen und sogar aus Chester“, berichtet Elfriede Weber schmunzelnd und liefert auch gleich eine Erklärung für den nicht gerade alltäglichen Besuch aus Großbritannien: „In Chester hängt bei Airbus ein Schild, auf dem Mitarbeitern, die vorübergehend nach Bremen versetzt werden, ein Besuch bei ,Chicken Weber‘ in Delmenhorst empfohlen wird.“

So hätten sich mitunter schon bis zu 30 Airbus-Mitarbeiter zu „Chicken and Chips“ vor der Tür eingefunden. „Die passten gar nicht alle hier rein“, sagt Elfriede Weber und weist auf den Gastraum, der Platz für rund 20 Kunden bietet. Daher habe sie die Hälfte der englischen Gäste kurzerhand auf einen Spaziergang geschickt. „Sie mussten in zwei Durchgängen essen.“

Derartige Begebenheiten seien aber eher selten, denn die meisten der Gäste sind Stammkunden, die dem Geschäft bereits seit Jahrzehnten die Treue halten. Sie schätzen nicht nur das Speisenangebot, sondern auch die persönliche und herzliche Atmosphäre. „Auch wenn viele telefonisch vorbestellen und das Essen nur abholen, ist immer Zeit für einen Schnack, es ist fast wie in einer Großfamilie“, sagt die Inhaberin, die das Geschäft bereits in zweiter Generation führt.

Mittagspause für Imbissbesuch genutzt

Obwohl in Bremen gebürtig, hat Elfriede Weber den Großteil ihres Berufslebens an der Oldenburger Straße zugebracht und dort auch ihren Mann Friedhelm kennengelernt. Seinerzeit war sie selber nur wenige Häuser von ihrem heutigen Imbiss entfernt in einem Fachgeschäft für Singer-Nähmaschinen beschäftigt. „Ich war so eine Art Vorführerin und habe den Kunden erklärt, wie die Maschinen funktionieren“, blickt sie zurück. Die Mittagspausen nutzte die junge Frau damals häufiger für einen Besuch im 1961 von ihrer späteren Schwiegermutter eröffneten Imbiss.

„Dabei habe ich meinen Mann getroffen. Er ist damals zur See gefahren und war zu Besuch bei seiner Mutter“, erinnert sie sich. Die beiden verliebten sich ineinander und nur wenige Monate nach der Verlobung folgte die Hochzeit. Der Liebe wegen verzichtete er seinerzeit darauf, wieder auf große Fahrt zu gehen – und blieb an Land.

Den Imbissbetrieb übernahm Elfriede Weber im Jahr 1981 von ihrer Schwiegermutter und steht seitdem nahezu täglich hinter dem Tresen. Nur dienstags ist Ruhetag. Doch auch dann ist sie mitunter im Geschäft anzutreffen. „Es gibt immer was zu tun“, sagt sie und nennt als Beispiel die hausgemachten Salate. „Das wissen die Leute zu schätzen.“

Oldenburger Straße ein Stück Heimat

Angesichts der Entwicklung der Oldenburger Straße in den vergangenen Jahrzehnten bedauert Elfriede Weber, dass es ruhiger geworden ist. „Besonders seit der Einbahnstraßenregelung.“ Allein von der Laufkundschaft könne sie nicht leben. Früher habe es mehr Bewegung gegeben. „Schade auch, dass so viele Geschäfte und Gaststätten aufgegeben haben“, sagt sie und nennt als Beispiele „Teddy’s Pilsstube“, das Lokal „Kleines Stübchen“ und die Gaststätte „Zum halben Wege“.

Doch obwohl sich das Bild der Oldenburger Straße in den zurückliegenden Jahren verändert hat, ist sie für Elfriede Weber ein Stück Heimat. „Ich gehe ganz in meiner Arbeit im Imbiss auf, mein Herz hängt dran, das ist eine Lebensaufgabe.“ Was aber nicht unerwähnt bleiben dürfe, sei die Nachbarschaft. Es sind auch die Menschen, die die Heimat ausmachen, ist sie sich sicher.

Während sich im Eingangsbereich der Oldenburger Straße zwischen Mühlenstraße und Ludwig-Kaufmann-Straße zurzeit wenig bewegt, wird weiter westlicher fleißig gebaut. So entsteht Ecke Brauenkamper Straße ein großer moderner Inkoop-Markt. Im Gebäude des ehemaligen PS-Grills, das einst auch ein Friseurgeschäft beheimatete, wird ebenfalls gewerkelt. Hier soll wieder Gastronomie einziehen.