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Open-Air-Event an der Galerie Liebeskummer punktet bei Poetry Slam in Delmenhorst

Von Jasmin Johannsen | 17.06.2017, 17:46 Uhr

Ob Rapunzel mit „PMS“ oder das Finden der großen Liebe via Dating-Apps: Der dritte Open-Air-Poetry-Slam der Kunstvermittlungsinitiative „Copartikel“ bot am Freitagabend in Delmenhorst eine Vielfalt absurder Geschichten.

„Das Prinzip ist das gleiche wie bei einem Rap-Battle aber wir beleidigen uns nicht gegenseitig“, erklärte Moderator Joschka Kuty (bekannt durch „Joschka Kultys Slam-a-rang“) das Prinzip des Open-Air-Poetry-Slams, mit dem die junge Kunstvermittlungsinitiative „Copartikel“ am Freitagabend den Sommeranfang feierte. Schon zum dritten Mal fand der Wettstreit der Wortakrobaten im Hof des Hauses Coburg statt. Neben der wortgewandten Dichtkunst wurde den Besuchern in der Pause eine kostenlose Führung durch die aktuelle Ausstellung „Volkskunst Fabrik“ von Christoph Ruckhäberle geboten.

„Evolutionsbremsen“ und „Stammbaum-Experimente“

Mit ihren selbstgeschriebenen Texten gingen neun Poetry-Slammer an den Start und kämpften um die Gunst des Publikums, das traditionell entscheidet, welcher Poet als Sieger aus der Wortschlacht hervorgeht. Der Vorjahressieger Christofer mit F stimmte das Publikum mit Auszügen aus seinem Soloprogramm auf die Wettstreiter ein. Dabei nahm er nicht nur sich selbst und sein jungenhaftes Aussehen auf die Schippe, sondern auch sein Dasein als Lehrer. Der 33-Jährige sprang und tobte über die Bühne, als er von einer Lehrprobe berichtet, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Als „Evolutionsbremsen“ und „Stammbaum-Experimente“ hätte er da die untalentierten Fünftklässler beleidigt. Natürlich alles nur Fiktion. „Der Erzähler muss von der Person des Autors getrennt werden aber selbst das verstehen meine Schüler nicht“, witzelte der Pädagoge.

„Coverversion“ von Rapunzel

Mit seinem furiosen Wutausbruch gab Christofer mit F dann auch die Hauptrichtung des Abends vor: Der Humor stand im Vordergrund, als ein „Slam Poet“ nach dem anderen die Bühne betrat. Stefan Jaschek und Anja Gomez boten ihre ganz eigene „Coverversion“ von Rapunzel an, die unter PMS leidet und sich sträubt vom Prinzen gerettet zu werden, während die Wilhelmshavenerin Marlene Stramerjohanns in ihren humoristischen Gedichten die Missetaten von Kirche und Staat anprangerte.

Sieger bekommt Kunstwerk

Aber auch das universelle Dichtermotiv der Liebe kam nicht zu kurz. Lippi Punkstrumpf erntete mit ihren intelligenten Wortspielen rund um Dating-Apps, die tickende biologische Uhr und brennenden Liebeskummer stürmenden Applaus. Sie setzte sich im Finale gegen Fabian Wolf und „vorwiegendinmoll“ (Marco Chiu) durch und sicherte sich nicht nur den Sieg, sondern auch das farbenfrohe Kunstwerk des Bremer Malers Piotr Rambowski. Dieser hatte sich während des Slams von den Darbietungen inspirieren lassen.