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Operettenpremiere im Kleinen Haus Schwungvolle Posse mit liebenswerten Figuren

Von Dirk Hamm | 27.08.2016, 22:56 Uhr

Auf eine höchst amüsante Zeitreise in die scheinbar so unbeschwerten 1920er Jahre haben das Musiktheater-Ensemble der Musikschule Delmenhorst (MSD) und das Städtische Orchester Delmenhorst das Publikum am Freitagabend im Kleinen Haus mitgenommen. Nahezu ausverkauft war der Theatersaal bei der Premiere der Operette „Clivia“.

Die inklusive Pause dreistündige Aufführung begeisterte mit einem atemberaubenden Mix aus berührenden Liebes-Duetten und opulenten Chorszenen, aus südamerikanischem Flair und Hollywood-Glamour.

Großes Orchester auch ohne Orchestergraben

Auch ohne Orchestergraben im Kleinen Haus bot die Produktion mit dem Städtischen Orchester unter der Leitung von Adrian Rusnak ein 32-köpfiges Live-Ensemble auf, das mit den Darstellern auf der Bühne kongenial harmonierte. Musikalisch besticht die in einer fiktiven südamerikanischen Bananenrepublik der Zwischenkriegszeit angesiedelte Operette durch die Verbindung von unterschiedlichen Stilen, von lateinamerikanischen Rhythmen über Jazz bis hin zum Berliner Marschlied.

Operette von 1933 in entstaubter Fassung

Aufwendig choreografierte Chornummern wie „Man spricht heut nur noch von Clivia“ wechseln sich in der 1933 uraufgeführten und von Kai Tietje für die Komische Oper Berlin kräftig aufgepeppten Operette von Nico Dostal (Musik) und Charles Amberg (Libretto) munter mit Liebesschnulzen wie „Ich bin verliebt“ ab.

Zarte Hollywood-Diva und schmachtender Gaucho

In der schwungvollen Posse mit vielen schrulligen und meist liebenswerten Figuren legte MSD-Leiter Michael Müller in der titelgebenden Rolle der Hollywood-Diva Clivia Gray einen fulminanten Auftritt nach dem anderen hin – und das auf acht Zentimeter hohen Stöckelabsätzen . Nicht minder bestechend die Leistung von Eyke Swarovsky als manipulativer amerikanischer Finanzmagnat E. W. Potterton, der Clivia in seine Ränkespiele einspannt, um zum Schutz seiner Investitionen in Boliguay einen Staatsstreich zu inszenieren. Und Philipp Berse überzeugte in der Rolle des verliebten Gaucho Juan Damigo, der sich als neuer Präsident der Republik entpuppt und die Pläne Pottertons durchkreuzt.

Noch fünf weitere Aufführungen im Kleinen Haus

Der donnernde, minutenlange Schlussapplaus galt verdientermaßen allen Akteuren auf und hinter der Bühne. Wer die Premiere verpasst hat, dem sei eine der weiteren fünf Aufführungen von „Clivia“ im Kleinen Haus empfohlen.