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Ordentlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit Delmenhorster Jobmotor gut in Fahrt

Von Frederik Grabbe | 31.05.2016, 18:09 Uhr

Der Jobmotor läuft in Delmenhorst: Im Mai waren 136 Menschen weniger arbeitslos, als vor einem Jahr - und das trotz Flüchtlingszuwanderung. Besonders der Anteil arbeitsloser Hartz-IV-Bezieher ist auf einem Tief. Dies teilten nun die Agentur für Arbeit und das Jobcenter mit. Allerdings dräut es schon am Arbeitsmarkt-Himmel.

„Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt weiter an, die Fachkräftebedarf ist da“, beschreibt die Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit in Delmenhorst, Karin Kayser, die aktuelle Lage auf dem lokalen Arbeitsmarkt. 4107 Menschen waren im Mai arbeitslos gemeldet, 136 weniger als im Mai 2015. Die Quote liegt in Delmenhorst bei 10,4 Prozent, eine Verbesserung von 0,4 Prozent in einem Jahr.

Besonders bei Männern ist ein starker Rückgang der Arbeitslosen zu vermelden, um satte 4 Prozent nämlich. „Traditionell werden zu dieser Jahreszeit im Baubereich und im verarbeitenden Gewerbe viele Kräfte gesucht, dort arbeiten meist Männer“, so Kayser. Noch stärker war der Sprung bei Arbeitslosen unter 25 Jahren: Ihre Zahl sank um 11 Prozent.

623 Arbeitslose in Ganderkesee

Im gesamten Bezirk (mit Ganderkesee) herrscht nun eine Arbeitslosigkeitsquote von 8,4 Prozent (Mai 2015: 8,8 Prozent), in Ganderkesee sind 623 Menschen arbeitslos gemeldet.

590 offene Stellen in Delmenhorst

Der starke Mai ist vor allem in den offenen Stellen in Delmenhorst zu erkennen. 590 offene Stellen in der Stadt könnten besetzt werden, vor einem Jahr waren es 490 Stellen; und es wurden 200 freie Stellen von Arbeitgebern gemeldet, vor zwölf Monaten waren es 64 weniger. Die größte Nachfrage besteht im Bereich Produktion und Fertigung, hier stehen fast 200 Stellen offen.

Ernüchternd ist allerdings der Zugang in die Arbeitslosigkeit: 800 Menschen meldeten sich in Delmenhorst im Mai arbeitslos, vor einem Jahr waren es 766. Nur 213 gingen in eine Erwerbstätigkeit ab, im Mai 2015 waren es noch 242.

162 Ausbildungsplätze bleiben offen, 380 Ausbildungswillige unversorgt

Ernüchternd zeigt sich auch der Ausbildungsmarkt: Ende Mai waren 162 Ausbildungsplätze unbesetzt bei 380 unversorgten Bewerbern. Regina Krumpe, Teamleiterin Arbeitgeber-Service, fordert trotzdem alle Unversorgten auf, sich zu melden. „Bis auf den Bürobereich gibt es noch genug Arbeitgeber, die Bedarf an Auszubildenden zu haben.“ (Weiterlesen: Industrie macht mehr Umsatz)

Weniger arbeitslose Hartz-IV-Empfänger

Die grundlegende positive Stimmung bestätigt der Geschäftsführer des Jobcenters, Frank Münkewarf. Der Bestand an Arbeitslosen unter Hartz-IV-Beziehern habe im Jahresvergleich insgesamt um fast 150 auf 3290 abgenommen, „damit ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit Dezember 2014 nicht.“

Saisonwechsel und Ende von Integrationskursen: Zahl der Arbeitslosen wird steigen

Trotz aller guten Nachrichten sehen die Arbeitmarktexperten ab Juli schon eine steigende Arbeitslosigkeit voraus: Dies sei laut Kayser zum einen saisonbedingt, zum anderen beendeten dann viele Flüchtlinge ihre Integrationskurse. Eine Lage, auf die die Agentur mit zwei zusätzlichen Arbeitsvermittlern und das Jobcenter mit 6,5 Stellen reagiert. In diesem Bezug sagt Münkewarf, dass trotz aller Hoffnungen „die Kirche im Dorf“ gelassen werden muss. „Schreitet die sprachliche Förderung weiter voran, können erste Flüchtlinge 2017 im Helferbereich vermittelt werden. Dieses Jahr kann es nur darum gehen, die Basics zu legen.“ (Weiterlesen: Handwerk will Flüchtlinge besser integrieren)