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Ort der Erholung Delmenhorster Kleingartenanlagen stehen vor Wandel

Von Bettina Dogs-Prößler | 12.06.2018, 11:22 Uhr

Delmenhorst Der deutsche Kleingarten entwickelt sich immer mehr vom Nutzgarten zum Ort der Erholung. Ein Wandel, der auch Delmenhorster Anlagen erreicht hat.

In deutschen Großstädten boomt der Kleingarten. In Berlin beträgt die Wartezeit auf das private Idyll am Stadtrand laut Bundesverband Deutscher Gartenfreunde drei bis vier Jahre. In Hamburg zahlen Naturfreunde inzwischen das Doppelte von dem, was noch vor ein paar Jahren gefordert wurde. Auch in Delmenhorst ist die Nachfrage nach der Gartenlaube im Grünen gestiegen. Der Großteil der Anlagen ist ausgebucht, freie Parzellen kaum vorhanden.

Kleingartenvereine stellen sich vor

Einmal im Jahr, immer am zweiten Sonntag im Juni, öffnen Kleingärtner beim „Tag des Gartens“ ihre Pforten und zeigen ihr blühendes Verständnis von Heimat und Glück. Jedes Jahr ist ein anderer der drei Delmenhorster Vereine an der Reihe, Ausrichter in diesem Jahr waren die Gartenfreunde aus Heidkrug-Iprump. „Leider sind nicht so viele gekommen“, sagt Vereinsvorsitzende Margot Klär am Sonntag mit Bedauern. „Ich vermute, das lag am Regen heute Vormittag.“

Hitze treibt Kleingärtner täglich ins parzellierte Grün

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Und mal wieder macht das Wetter den Kleingärtnern einen Strich durch die Rechnung. Wann gegossen oder gejätet, Rasen gemäht oder geerntet werden muss: Immer ist es das Wetter, das bestimmt, wann der Hobbygärtner aktiv werden muss. „An so heißen Wochen wie zuletzt ist das jeden Tag“, sagt Margot Klär. Ansonsten würden Gemüse, Obst und Blumen auf der Parzelle vertrocknen – was kaum ein Kleingärtner riskieren möchte. „Denn“, so Vereinsvorsitzende Klär: „In den meisten Fällen steckt in den Gärten viel Geld.“

Blühende Oase auf 500 Quadratmetern

Wie bei Andrea Simoneit. In den vergangenen 17 Jahren hat die Delmenhorsterin gemeinsam mit ihrem Mann aus dem 500 Quadratmeter großen Stück Land eine blühende Oase geschaffen. Romantische Kletterrosen umranken leuchtend rosa eine Gartenlaube aus Metall, im künstlichen Bachlauf daneben plätschert besinnlich das Wasser für den Teich vor sich hin. „Mein Kleingarten“, sagt die blonde Frau fröhlich, „bedeutet mir alles.“ Ständig kämen neue Ideen, wie der Garten umgestaltet oder wo was neu gepflanzt werden kann. „Als Letztes hat mein Mann die Hochbeete angelegt“, sagt Andrea Simoneit, „damit die Arbeit rückenfreundlicher wird.“

Essbares wächst auf mindestens ein Drittel der Fläche

Noch immer gilt in deutschen Kleingärten: ein Drittel der Fläche muss Ackerland sein. Also wachsen auch bei den Simoneits Eisbergsalat und Bohnen, Erdbeeren, Kräuter und Zucchini für den Eigenbedarf. Eine Regelung, die zunehmend kritisiert wird. „Die Bedeutung des Kleingartens hat sich verändert. Heute muss sich niemand mehr von ihm ernähren. Die meisten nutzen ihn als Ort zur Erholung“, sagt Margot Klär. Auch Andrea Simoneit meint: „Ich halte diese Regel für nicht mehr zeitgemäß.“

Kleingarten wird zunehmend von jungen Familien entdeckt

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Rolf Hellfritsch, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gartenfreunde Delmenhorst und Umgebung, dem fünf Vereine aus Delmenhorst und Syke angehören, sieht das genauso. „Ich halte es für legitim, wenn die Anlagen als Freizeitgärten genutzt werden. Es gibt ja zum Teil schon das Problem, dass manche ihr Gemüse in der Hauptsaison gar nicht loswerden.“ Dazu entdeckten immer mehr junge Familien das Leben im parzellierten Grün. „Die wollen vor allem eine natürliche Umgebung für ihre Kinder.“ Viele würden dabei jedoch die Arbeit eines Kleingartens unterschätzen. „Wildwuchs ist nicht gestattet. Aber wenn sie den Garten nicht mehrmals die Woche pflegen, haben sie bald keine Kontrolle mehr über das Unkraut“, weiß Margot Klär. Viele Jüngere würde das schnell überfordern.

Ausländeranteil macht sich im Verein deutlich bemerkbar

Noch vor einem weiteren Wandel steht das Leben in den Kleingartenkolonien. „Wir haben inzwischen einen Ausländeranteil von 60 Prozent“, sagt Rolf Hellfritsch. Die würden die Hobbygärtner gerne mehr ins Vereinsleben integrieren. „Durch die Verständigungs- und Sprachprobleme ist das zum Teil aber schwierig.“ Dabei werde in den Kleingärten auch viel Wert auf eine gute Gemeinschaft gelegt. Hellfritsch: „Damit nicht jeder nur auf seiner Parzelle hockt. Denn das ist nicht der Sinn dahinter.“