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Paarfotos für mehr Toleranz Kanda Grazius fotografiert Paare als Zeichen gegen Hass

Von Florian Fabozzi | 16.09.2017, 12:42 Uhr

Um Diskriminierungen und Ausgrenzungen entgegenzutreten, plant die 23-jährige Delmenhorsterin Kanda Grazius ein Fotoprojekt. Das Motto: Liebe ist vielfältig.

Erst zwei Monate ist es her, dass die Bundesregierung das Gesetz zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe verabschiedete und damit Millionen von homosexuellen Paaren den Weg für ein vollkommenes Zusammenleben ebnete. Dass es bis zur gesellschaftlichen Gleichstellung von homosexuellen Paaren allerdings noch ein harter, steiniger Weg ist, bekam Kanda Grazius aus Delmenhorst erst kürzlich zu spüren. Im Juni begleitete die 23-jährige Krankenschwester einige ihrer homosexuellen Freunde zum Christopher Street Day nach Oldenburg und erntete dafür Spott und Verachtung aus dem eigenen Bekanntenkreis. Diese offene Abneigung veranlasste sie, Initiative gegen Homophobie und Diskriminierung zu ergreifen.

Ungleiche Paare vor der Kamera

„Love is different“ ist der prägnante Titel des Projektes, das Kanda aktuell in die Wege leitet. Es handelt sich um ein Fotografieprojekt, zu dessen Zweck sie außergewöhnliche Paare treffen und ablichten möchte. Dabei liegt der Fokus nicht allein auf homosexuellen Paaren, sondern auf all jene Paare, die von der „Norm“ abweichen und sich in der Vergangenheit Diskriminierungen ausgesetzt sahen. Die Fotos sollen zu mehr Toleranz ermahnen. Auch die Paare selbst dürfen sich in ein paar Sätzen zu Wort melden – mit einem Appell für Offenheit und Vielfalt. Veröffentlicht werden die Fotos anschließend auf der Facebookseite „Candy Photography“.

Motive aus Alltagsszenen

Für das Projekt macht sich Kanda ihr fotografisches Know-how zu Nutze. Die gebürtige Thailänderin ist Hobbyfotografin und legt Wert darauf, die Paare passend in Szene zu setzen. „Wichtig ist, dass sie sich nicht verstellen“, erklärt sie. Daher versucht sie, die Paare in typischen Alltagsszenen zu fotografieren.

Viel Hass im Internet

Wie tief Vorurteile und Hass in der Gesellschaft verankert sind, erlebt Kanda täglich in sozialen Netzwerken. „Die Kommentare unter vielen Posts kann man sich überhaupt nicht mehr durchlesen“, erzählt sie betrübt. Gerade Facebook müsse gegen diskriminierende und hetzerische Kommentare eine härtere Linie verfolgen. Ihrer Ansicht nach liegt die Wurzel des Hasses im Elternhaus: „Viele homophobe Kommentare kommen von Leuten aus einem konservativen Familienumfeld.“

Die Legalisierung der Homo-Ehe aus Bundesebene sei sicher mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein - schließlich haben zahlreiche Aktivist/innen jahrelang dafür gekämpft. Doch Politik allein könne, so Kanda, gesellschaftliche Probleme nicht lösen und die Barrieren in den Köpfen der Menschen nicht aufbrechen.

Erstes Feedback positiv

Kanda ist indes optimistisch mit ihrem Projekt viele Menschen erreichen zu können und dabei zu helfen, Ressentiments zu beseitigen. Das erste Feedback sei positiv und bereits sechs Paare haben Interesse an einer Teilnahme bekundet. „Es gibt keinen Grund zur Scheu. Jede Beziehung ist auf individuelle Art und Weise etwas Besonderes“, erzählt sie voller Inbrunst. Aus der Sicht einer Fotografin erfreue es sie vor allem, die Paare mit schönen Bildern beschenken zu können. Letztlich sieht sie in „Love is different“ auch die Erfüllung einer gesellschaftlichen Verantwortung: „Ich kann die Welt zwar nicht retten, aber jemand muss doch den ersten Schritt machen.“