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Pannen an Landgericht Oldenburg Prozess gegen Schläger aus Wollepark-Wohnung gestartet

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 30.09.2016, 16:15 Uhr

Der Prozess gegen zwei Angeklagte, die am 14. Februar dieses Jahres in einer Wohnung am Wollepark einen 54-jährigen Delmenhorster zu Tode geschlagen und getreten haben sollen, hat am Freitag mit einer Reihe kleiner Pannen vor dem Landgericht Oldenburg begonnen.

So fehlte der wichtigste Zeuge, saß im Gefängnis statt vor der Jugendstrafkammer auszusagen; das gerichtsmedizinische Gutachten ist noch nicht fertig, obwohl sich die Tat bereits vor über einem halben Jahr ereignete; und diverse Vernehmungsprotokolle der polnischen Polizei trudelten erst während der Sitzung ein.

Fraglich ob Tötungsabsicht nachweisbar ist

Hatte die Staatsanwaltschaft das Verbrechen zunächst als „Totschlag“ eingestuft, so müssen sich die beiden Angeklagten, ein 29-jähriger und ein 19-jähriger polnischer Staatsbürger, nunmehr „nur“ wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Denn die Kammer, so der vorsitzende Richter Dr. Dirk Reuter, bezweifelt, dass sich den Tätern eine Tötungsabsicht nachweisen lasse. Die Staatsanwaltschaft zeigt sich indes weiterhin überzeugt davon, nachweisen zu können, dass die Angeklagten den Todeseintritt ihres Opfers zumindest „billigend in Kauf genommen“ hätten.

Angeklagte sollen auf zwei Männer eingeschlagen haben

Unstrittig scheint bislang, dass sich der Getötete in der betreffenden Nacht mit den beiden Angeklagten sowie dem Hauptzeugen in einer Wohnung am Wollepark aufgehalten hatte. Dort kam es zu einem Streit, in dessen Folge die Angeklagten auf die beiden anderen Männer eingeschlagen haben sollen. Dabei hat der Getötete nach Auffassung der Staatsanwaltschaft unter anderem einen langen Schädelriss erlitten, sei an einer Blutaspiration in seinem Gehirn gestorben.

Jüngerer Angeklagter räumt zehn Schläge und Tritte ein

Über den Tatverlauf lässt sich nach diesem ersten Verhandlungstag allerdings noch kaum etwas sagen. So hüllte sich der ältere der beiden Angeklagten in Schweigen, während ihn der jüngere belastete, lediglich einräumte, seinerseits etwa zehnmal auf den Getöteten eingeschlagen und ihn in den Oberkörper getreten zu haben. Für den Tod des Mannes aber sei offenbar der Mitangeklagte verantwortlich.

Fehlender Zeuge soll am nächsten Prozesstag aussagen

Wie Reuter allerdings bereits durchblicken ließ, hat der ominöse vierte Mann vom Tatort das Geschehen ganz anders in Erinnerung, sieht in dem jüngeren Angeklagten den Haupttäter. Diesen Zeugen möchte Reuter, nachdem er am Freitag nicht erschienen war, am Montag, 17. Oktober, vernehmen, wenn das Landgericht die Verhandlung fortsetzt. Auch der zweite Angeklagte wird an diesem Tag aussagen, kündigte sein Verteidiger bereits an. Darüber hinaus hofft die Kammer weiterhin auf das gerichtsmedizinische Gutachten.