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Parkplatzmangel in Delmenhorst Parken am Rathausbrunnenplatz hat keine Chance

Von Frederik Grabbe | 28.12.2016, 18:09 Uhr

Zu unsicher, wenig attraktiv, schlicht unnötig: Der Vorstoß der City-Kaufleute, während des Abrisses des City-Parkhauses auf dem Rathausbrunnenplatz zu parken, findet in der in der Ratspolitik keine Anhänger. Dass aber ein Parkplatzproblem besteht, ist größtenteils unstrittig.

Mit dem Abriss des City-Parkhauses, der Ende Januar 2017 starten soll , stellt sich für die Kaufmannschaft in der Innenstadt die Frage, wo Besucher denn möglichst nahe an den Geschäften parken können. Die Geschäftsleute selbst brachten unlängst einen eigenen Lösungsvorschlag ins Rennen , um den Parkplatzmangel zu überbrücken, bis das neue Parkhaus steht: Innenstadtbesucher sollen auf einem Kurzzeitparkplatz auf dem Rathausbrunnenplatz nord-östlich des Rathauses ihre Vehikel abstellen können. Raum für 15 bis 25 Stellplätze gäbe es, schätzen die Kaufleute. Eine gute Erreichbarkeit der City spräche auch mögliche Investoren an.

Dass diese Idee verwirklicht wird, ist aber nahezu ausgeschlossen. Die meisten Fraktionsspitzen der Ratsparteien sprechen sich kategorisch gegen die Interimslösung aus.

SPD: „Strategie der Kleinen Schritte“

„Die Idee hat mit überhaupt nicht gefallen“, äußert sich Bettina Oestermann, die neue Fraktionschefin der SPD, deutlich. „Die Fläche dort gleicht eher einem Bürgersteig, den viele Fußgänger und auch Radfahrer passieren. Möglichen Autoverkehr halte ich dort für gefährlich.“ Dennoch sei die Not der Kaufleute nachvollziehbar, „ich sehe, dass wir Parkplätze brauchen“. Politik, Kaufleute und Verwaltung müssten darum einen runden Tisch bilden und neue Ideen diskutieren. Oestermann befürwortet etwa eine Strategie der kleinen Schritte, nach der an vielen Einzelstellen in der Innenstadt „mal fünf, mal zehn“ neue Parkplätze geschaffen werden. Auch die Idee, einen Schotterparkplatz nach Abriss des maroden Parkhauses Am Wollepark zu errichten, hält sie für veritabel.

CDU: „Parkplatzmangel besteht, Graftwiesen keine Option“

Auf eine gemeinsame Lösungssuche mit den Kaufleuten möchte sich ebenfalls der Fraktionschef der CDU, Kristof Ogonovski, begeben. „Beim Rathausbrunnenplatz gibt es sicherlich Fragen wie nach der An- und Abfahrt zu klären. Dies könnte man aber sicher lösen, wenn man wollte“, sagt Ogonovski, ohne diesen Standort zu favorisieren. Lösungen gegen den Parkplatzmangel brauche es jedenfalls, und sich aufs Parken an den Graftwiesen zu verlassen sei da sicher keine davon und das Thema Hotelwiese habe sich auch erledigt. „Die Leute sind einfach zu bequem, und versuchen wir sie zu erziehen, werden sie woanders einkaufen.“

 Kommentar – Parkplatznot in Delmenhorst: So sind wir halt)

FDP: „Müssen prüfen, ob wir überhaupt Parkplätze brauchen“

Dass er überhaupt einen Bedarf an Parkplätzen gibt – auch wenn mit dem City-Parkhaus mehr als 400 wegfallen – bezweifelt Murat Kalmis, Vorsitzender der FDP-Fraktion. Er spricht sich beim Parken für eine Potenzialanalyse für die Innenstadt aus. „Wir wissen nicht einmal, ob wir neue Parkplätze brauchen. Das sollen Fachleute ausrechnen.“ Ungeachtet dessen sagt Kalmis, dass 15 oder 25 Parkplätze am Rathaus ein Tropfen auf dem heißen Stein wären und Autos das Stadtbild verstellen würden. Er verweist aufs Parken per Brötchentaste auf dem Hans-Böckler-Platz und Am Vorwerk, „hiervon profitieren die Kaufleute.“ Den Weg von und zu den Graftwiesen hält er indes für „zumutbar“.

Grüne: City mit kostenlosen ÖPNV an Samstagen stärken

 Marianne Huismann, Fraktionschefin der Grünen, stellt sich strikt gegen den Kaufleute-Vorschlag, „das geht gar nicht“. „Wir brauchen eine attraktive Innenstadt, um Besucher anzuziehen“, und da wären Autos neben dem Rathaus nur abträglich. Einen Mangel an Parkplätzen kann sie nicht erkennen. Dennoch nennt Huismann einen Vorschlag zur Stärkung der Innenstadt: Besucher der City sollen an Samstagen kostenlos den ÖPNV nutzen dürfen. Einen entsprechenden Antrag hätten die Grünen mit der CDU bereits eingereicht.

Die AfD war zu dem Thema nicht zu erreichen.

Auch bei der Verwaltung ist der Standort nicht populär. Aus Sicherheitsgründen sollen die Parkbestimmungen auf Rathausbrunnen- und Marktplatz auf kurze Sicht nicht verändert werden , hieß es zuletzt zum Lieferverkehr vor der Markthalle.

Eine mögliche, übergangsweise Parkplatzlösung auf der Hotelwiese hatte unlängst die Stadtverwaltung vorgeschlagen. Diese Idee wurde im Rat von der Politik Ende Oktober jedoch verworfen. Das Argument: Die Fläche sei durch den Abriss des ehemaligen Nazihotels von historischer Bedeutung.