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„Patrick 1,5“ im Kleinen Haus Plädoyer für Toleranz im Delmenhorster Theater

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 13.03.2016, 14:39 Uhr

Dass Homosexualität längst kein Tabuthema mehr ist, wurde am Samstagabend eindrucksvoll im Kleinen Haus gezeigt. Die Komödie „Patrick 1,5“ der Theatergastspiele Fürth spielte dabei mit allen gesellschaftlichen Klischees und regte zum Nachdenken an.

Für den homosexuellen Göran (Thomas Rohmer) und seinem Partner Sven (Jan Hasenfuß) ist der große Tag gekommen. Mit Plüschtieren, Bobby Car, Wiege und jeder Menge Spielzeug haben sie das Kinderzimmer bereits bestens ausgestattet und alles vorbereitet, um ihr 1,5 Jahre altes Adoptivkind Patrick in Empfang zu nehmen. Doch statt dem Kleinkind steht aufgrund eines klitzekleinen – der Bürokratie verschuldeten – Kommafehlers auf einmal der 15-jährige Patrick (Stefan Pescheck) vor der Tür und die humorvolle Lektion für Toleranz und Akzeptanz beginnt.

Ungewohnte Familienkonstellation

Da es nachmittags am Gründonnerstag ist, erreicht das Pärchen niemanden mehr beim Sozialamt und nach leichten Anlaufschwierigkeiten, als Göran und Sven dem störrischen Teenager rein gar nichts abgewinnen können, arrangieren sich die beiden und auch der kriminelle Rabauke Patrick Stück für Stück mit der etwas anderen Familienkonstellation. Insbesondere der als wenig erfolgreicher Erfinder agierende Göran vermittelt sensibel und warmherzig zwischen dem schwer erziehbaren Jugendlichen mit krimineller Vergangenheit und dem schnell aufbrausenden Sozialarbeiter Sven.

Aufräumen mit Vorurteilen

Offen und direkt und ohne die Ernsthaftigkeit der Themen zu untergraben, überzeugt das Trio auf der Bühne des zu zwei Dritteln gefüllten Kleinen Hauses zwar nicht mit Lachern im Sekundentakt, dafür besticht das Theaterstück aber mit Pointen und starker Situationskomik. Ohne Umschweife wird sowohl mit den Vorurteilen gegenüber Homosexualität als auch hinsichtlich vorbestrafter, krimineller Jugendlicher aufgeräumt. (Weiterlesen: Ohnsorg Theater unterhält mit Lustspiel in Delmenhorst) 

Lehrreiche Komödie

Lehrreich macht die Komödie dabei vor allem das Herantasten an eine scheinbar andere Welt und das wachsende Einfühlungsvermögen in Andersdenkende und -liebende. Folgerichtig beendet Patrick das Stück auch mit der Frage „Wer sagt denn, dass es nicht auch drei Prinzen geben kann?“, als jedoch längst allen Besuchern klar ist, dass trotz vieler Missverständnisse zu Beginn aus den drei Männern eine harmonische Familie geworden ist.

Gelungene Inszenierung

Insgesamt gelingt Regisseur Thomas Rohmer mit „Patrick 1,5“, geschrieben von Michael Druker, eine Inszenierung, die als Plädoyer für Toleranz und Akzeptanz steht und dank vieler nachdenklicher Momente der Gesellschaft den Spiegel knallhart vor das Gesicht hält.