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„Personal arbeitet am Anschlag“ Sorge um Qualität der Pflege in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 16.06.2016, 19:29 Uhr

Die Mitarbeitervergütung ist eigenartig und ungerecht, das Pflegepersonal arbeitet am Anschlag, Klinken strebten nach Profit anstatt das Wohl des Patienten im Auge zu haben. Die Linken zeigen sich besorgt um das Krankenhauswesen in

Ungleiche Behandlung von Mitarbeitern, zu wenig Pflegepersonal und infolge dessen nicht genügend Qualität in der Krankenhauspflege: Pia Zimmermann, Bundestagsabgeordnete und pflegepolitische Sprecherin für Die Linke, fürchtet um die Qualität der Pflege in der örtlichen Krankenhauslandschaft. Mit Vertretern des Linken-Kreisverbandes besuchte sie am Donnerstag die Geschäftsführung des Josef-Hospitals (JHD) und sprach mit Arbeitnehmervertretern.

Doppeltes Arbeitsvertragsmodell ist „eigenartig“

Insbesondere merkte Zimmermann im folgenden Pressegespräch der Linken an, dass sie die es „eigenartig“ finde, dass es für die Mitarbeiter des JHD zwei Arten von Arbeitsverträgen gibt. Den TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) für Mitarbeiter des früheren Klinikums, und den kirchlichen AVR für jene des früheren St.-Josef-Stifts. „Erzielen Beschäftigte des TVöD zum Beispiel über die Gewerkschaft ver.di eine Lohnerhöhung, profitieren AVR-Beschäftigte davon erst neun Monate später davon“, schilderte Zimmermann. Eine Ungerechtigkeit, zumal es weitere Tarifunterschiede für Mitarbeiter gibt, die am Krankenbett die gleiche Arbeit verrichten, wie der Betriebsratschef des JHD Deichhorst, Arthur Harms, schilderte. Insgesamt lägen diese in der Bezahlung nicht weit auseinander, „aber es sind eben Unterschiede“, so Harms.

Rendite-Streben ein „Desaster“

Zimmermann sah es weiter als ein „Desaster“ im Krankenhauswesen an, dass privatisierte Häuser, sich zuvorderst „der Wirtschaftlichkeit unterwerfen“. Dies machte sie an den Fallpauschalen deutlich: Es herrsche eine Überversorgung an Dienstleistungen in Krankenhäusern, um höchstmögliche Zuwendungen zu erhalten. Ferner sah sie einen landesweiten der Pflegenotstand: Arbeitszeiten, -Bedingungen und Bezahlung stoße gut ausgebildete Kräfte ab. Hierunter leide auch die Qualität der Pflege. „Ich weiß nicht, warum dies in Delmenhorst anders sein soll“, so Zimmermann. Harms pflichtete ihr bei: „Die Mitarbeiter arbeiten am Rande dessen, was möglich ist.“

Bettanzahl soll sich reduzieren

Auf Landesebene, bemängelte Zimmermann, drehten die Regierungen im Krankenhauswesen an der Sparschraube: „Auch in Delmenhorst wird es nach der Fusion 70 Betten weniger geben“, gleichwohl wollte sie die hiesige Lage in dieser Frage nicht bewerten. Linken-Schatzmeister Manuel Paschke sah es als Missstand an, dass die Stadt Delmenhorst nur zehn Prozent am JHD halte, dieses geringe Mitentscheidungsrecht gefährde ihre Aufgabe im Bezug auf die kommunale Daseinsvorsorge. (Weiterlesen: Konflikt um künftige Klinik-Verkehre)

Pia Zimmermann wird wieder nach Delmenhorst kommen. Am 25. August wird sie ab 14.30 Uhr eine Polit-Performance mit Pflegebetten auf dem Rathausplatz aufführen, um auf den Zustand in der Pflege hinzuweisen.