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Perspektiven für den Wollepark Delmenhorster Kraftakt für neue Wohnsiedlung

Von Florian Fabozzi | 06.11.2018, 08:08 Uhr

Mehr sozialer Wohnungsbau, eine neue Kita, Barrierefreiheit: Die Wohnsiedlung Wollepark soll wieder hergerichtet werden. Was sich seither verbessert hat und was noch verbessert werden muss, erläuterte Stadtbaurätin Urban in einem Vortrag in der Stadtgalerie.

Blöcke 11 und 12 sind geräumt, Blöcke 1 bis 5 abgerissen, und die Westfalenstraße 8 folgt. In den Siebzigerjahren stolz zum „Musterobjekt“ ernannt, ist die Wohnsiedlung Wollepark längst ein sozialer Brennpunkt der Stadt. Das soll sich bald ändern, wenn es nach Stadtbaurätin Bianca Urban geht. Wie das Viertel wiederbelebt werden soll, darüber sprach sie in einem Vortrag in der Stadtgalerie. Es gebe Fortschritte bei der Wiederbelebung des Viertels.

Günstige Mieten durch Förderung

So könnte an der Stedinger Straße bald eine Kindertagesstätte entstehen. Das Problem des Leerstands in vielen Wohnblöcken hat sich durch den Flüchtlingszuzug seit 2015 zunehmend von selbst behoben. In Zukunft soll zudem der soziale Wohnungsbau vorangetrieben werden. Dabei stehe man mit dem Wohnungsbaugesellschaft GSG in Kontakt, von denen man sich öffentliche Förderung erhofft. „Durch öffentliche Förderungen bleiben die Mieten günstiger“, erklärt Urban. Auch auf Barrierefreiheit müsse künftig wert gelegt werden. Ein besonderes Anliegen Urbans ist die Aufwertung der Parkanlage. „Momentan ist es ein versteckter Park“ merkt Urban an. Es brauche also mehr Parkzugänge, um den Park sichtbarer und begehbarer zu machen. Darüber diskutiert aktuell auch der Planungsausschuss der Stadt.

„Gemeinschaft ist kulturelles Kapital“

Ebenfalls vor Ort war Kunstprofessor Georg Winter, der im September das Kunstprojekt „Delmenhorster Modell“ auf die Beine stellte. In diesem Projekt verwandelte Winter den Wollepark in eine Schafsweide und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf die Problemsiedlung. Die Menschen im Viertel zum Austausch dazu zu bewegen, sei sein Anliegen gewesen. „Gemeinschaft ist kulturelles Kapital“, erzählt Winter. Er befürwortet daher Genossenschaften, das Handeln als einer Gemeinschaft, aus der niemand ausgeschlossen wird. „Utopien müssen wieder realisiert werden“, erklärt der Bildende Künstler. Dafür dürfe nicht an den falschen Stellen gespart werden.

Stadtbauförderung läuft bald ab

Die Sanierung des Wolleparks ist ein Kraftakt, der unter großem Zeitdruck bewältigt werden muss. Susanne Ahrens, Sanierungsträgerin des Wolleparks, wies darauf hin, dass im Jahr 2021 die Stadtbauförderung abläuft – schließlich ist der Wollepark schon seit 2000 offizielles Sanierungsgebiet. Auch vor diesem Hintergrund schienen die 30 Besucher in der Stadtgalerie wenig überzeugt von den vorgestellten Rahmenplänen. Die Pläne seien „zu vage und nicht greifbar“, moniert eine junge Besucherin. Auch die Fragen, ob hoch- oder niedriggeschossige Häuser bevorzugt werden und wie genau man die Stigmatisierung des Wolleparkviertels als Brennpunkt bekämpft, blieben unbeantwortet. Zumindest war man sich am Ende des Abends einig, dass die Bürger bei den Entscheidungsprozessen weiterhin beteiligt werden müssen.