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Pflegeheim in Delmenhorst „Neue Lebensgeister“ für Menschen mit Demenz

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 19.07.2016, 09:32 Uhr

Das Seniorenheim Rote-Kreuz-Stift unternimmt mit demenzkranken Menschen regelmäßig Ausflüge, um durch positive Emotionen neue Antriebe zu geben. Durch die Impulse entwickeln die Bewohner neue Lebensfreude.

Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit und die Störung des Lang- und Kurzeitgedächtnisses sind Merkmale, mit denen an Demenz erkrankte Menschen seit Ausbruch der Krankheit leben müssen. Um bei seinen Bewohnern mit Demenz „neue Lebensgeister“ zu wecken, fahren die Betreuer des Altenpflegeheims Rote Kreuz-Stift Delmenhorst regelmäßig mit einer Gruppe auf einen Tagesausflug. Durch gezielte Aktivierung und Förderung sollen nicht nur vorhandene körperliche und geistige Fähigkeiten bei demenzkranken Menschen länger erhalten bleiben, sie seien auch entscheidend für das emotionale Wohlbefinden des Bewohners.

„Wenn der Verstand in den Hintergrund rückt, werden Emotionen wichtiger“, erklärte Betreuungsleiterin Ines Schepker. Dadurch dass bei den an Demenz erkrankten Menschen Lebensfreude und positive Gefühle bei so einem Ausflug aktiviert werden, entwickeln die Mitfahrenden Fähigkeiten, wenn auch meist nur vorübergehend, die sie lange nicht entfaltet haben.

Neue Impulse, neuer Antrieb

So fuhren zuletzt Anfang Juli zwölf Bewohner gemeinsam mit Betreuern nach Bad Zwischenahn im Kreis Ammerland. Die Gruppe machte einen Spaziergang ums Bad Zwischenahner Meer, besuchte eine Ausstellung und unternahm eine Bootsfahrt mit gemeinschaftlichem Singen. Es sei für die Bewohner wichtig, immer wieder solche Impulse zu setzen. „Diese Impressionen sind es, die bei den Bewohner noch lange nachwirken“, sagte Schepker. So ein Trip wecke Erinnerungen und stärke die Identität der Menschen.

Ein Bewohner habe auf dem Ausflug mit Kindern auf einer Wippe gesessen und riesigen Spaß gehabt. Die Tage danach habe er Lebensfreude und Charme versprüht, wie lange vor seiner Krankheit. Er sei nach dem Ausflug für einige Tage nicht mehr auf seinen Rollator angewiesen und konnte ohne Gehhilfe laufen. „Menschen mit Demenz haben einen schwachen Antrieb, es geht darum, diesen Antrieb wieder zu wecken. Ich will aber keine Wunder versprechen“, sagte Ines Schepker. Nicht alle Patienten reagieren gleich auf die Ausflüge. Bei manchen Patienten müsse man stärkere Impulse setzen, um positive Emotionen zu wecken.

Lebensqualität verbessern

Demenz zu heilen sei in den meisten Fällen nicht möglich, erklärt das Bundesministerium für Gesundheit. Zur Linderung der Beschwerden und bei der Verbesserung der Lebensqualität spielen laut den Experten Therapiemethoden ohne Medikamente eine große Rolle.