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Pilotprojekt in Delmenhorst Mütter mit Migrationshintergrund werden gefördert

Von Marco Julius | 08.10.2015, 08:52 Uhr

Die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag hat sich das Projekt „Stark im Beruf“ angeschaut. Sie will erreichen, dass das Angebot ausgebaut wird.

In diesen Tagen ist viel von Herausforderungen die Rede, von Problemen, von Chancen auch. Mit der Zahl der neu Zugewanderten entstehen eben Aufgaben, die oft mit Schwierigkeiten verbunden sind, aber ebenso oft mit Perspektiven. Susanne Mittag, die hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete, weiß das. Gestern hat sie sich vor Ort ein Projekt, das sich in der Pilotphase befindet, angeschaut, dass derzeit – trotz aller Probleme – als Erfolg bewertet wird. „Das läuft gut und sollte ausgebaut werden“, sagte sie dann auch angesichts des Projektes „Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund“, ein Bundesprojekt, das in Delmenhorst bei der VHS angesiedelt ist und durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), den Europäischen Sozialfond (ESF) und die EU gefördert wird.

34 Mütter aktuell dabei

Projektleiterin Elke Beecken verwies auf erste Erfolge: Eine Teilnehmerin absolviert mittlerweile eine Umschulung als Tischlerin, zwei Frauen sind seit Montag in den Lehrgang Berufsbezogene Sprachförderung gewechselt.

Das Ziel des Projektes, das über zehn Monate in Teilzeit läuft, sei es, Erwerbsperspektiven für Mütter mit Migrationshintergrund zu verbessern und Übergänge zwischen den vorhandenen Angeboten zu schaffen. Dabei spiele die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle. 34 Mütter sind dabei, aufgeteilt in zwei Gruppen, je nach Sprachniveau. „Auf der Warteliste stehen noch einmal rund 20 Frauen“, erläuterte Beecken.

Ein wichtiges Ergebnis nach den ersten Monaten: Die Frauen werden laut Beecken selbstbewusster, emanzipieren sich zusehends und seien dabei stets motiviert und wissbegierig. Das bestätigte auch Teilnehmerin Simyan A-Sello aus dem Irak: „Ich möchte immer lernen. Die Sprache ist wichtig, so kann ich auch meinen Kindern helfen.“ Zugleich rief sie andere Migrantinnen dazu auf, sich aufzuraffen: „Nicht nur zuhause putzen, waschen, kindermachen.“ Bildung sei wichtig, auf eigenen Füßen stehen.

Unterschiedlicher Aufenthaltsstatus

Das lernen die Teilnehmerinnen in Modulen wie Deutsch, Gesundheit (Bewegung, Ernährung, Entspannung), Berufsorientierung, Bewerbungstraining, EDV, Grundbildung (Mathe), Einzel- und Kleingruppen-Coaching und über Betriebsbesichtigungen und Praktika.

Die Frauen kommen aus Syrien, dem Irak, aus Armenien, Bulgarien, Polen, Russland, der Türkei, aus Nigeria, Ghana und aus Serbien. Der Aufenthaltsstatus ist dementsprechend unterschiedlich. „Unabhängig vom Status muss es uns gelingen, die Frauen möglichst früh zu erreichen“, machte Mittag klar.

Das Projekt „Stark im Beruf“ setzt sehr stark auf Kooperation. So sind neben der Volkshochschule das Jobcenter, das Diakonische Werk, der Fachdienst 29 der Stadt, die Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe und das Integrationslotsenteam mit im Boot.

Kritik an Bürokratie

Nicht alles laufe rund. So bemängelte Projektmitarbeiterin Heike Stolle-Ahlers etwa Bürokratie und unverständliche Sprache in Formularen für Flüchtlinge und Franz-Josef Franke von der Diakonie mahnte an, dass die Kinderbetreuung unbedingt mit in die Maßnahme aufgenommen werden müsse. Mittag nahm die Anregungen mit auf den Weg nach Berlin.