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Pleitebedrohtes Josef-Hospital Delmenhorster Rat verärgert über Krankenhaus-Chef

Von Michael Korn | 28.09.2017, 23:59 Uhr

Der Delmenhorster Stadtrat hatte sich Angaben über die Zahl der Entlassungen und über das medizinische Konzept für das pleitebedrohte JHD erhofft. Doch Geschäftsführer Ralf Delker blieb unverbindlich.

Im Bangen um die Zukunft des insolvenzbedrohten Josef-Hospitals und dessen 1000 Mitarbeiter sind am Donnerstag die von der Ratspolitik geschürten hohen Erwartungen, endlich Einzelheiten und Hintergründe des JHD-Desasters zu erfahren, nicht erfüllt worden. Der von SPD/Piraten, Linken, FDP und Grünen vor den öffentlichen Stadtrat zitierte JHD-Sanierungsgeschäftsführer Ralf Delker blieb detaillierte Antworten auf die drängendsten Fragen schuldig.

Betriebsgeheimnis

Delker verwies zum einen darauf, dass er zu vielen Punkten wegen des Betriebsgeheimnisses keine Angaben machen könne. Zum anderen seien Auskünfte schlicht nicht möglich, weil es beispielsweise noch gar kein Sanierungskonzept für das von einem 10-Millionen-Euro-Defizit bedrohte Krankenhaus gibt. Die Ratspolitiker reagierten darauf über alle Fraktionen hinweg mit deutlichen Unmutsbekundungen. Auch stieß das Fehlen der Kirche als JHD-Mehrheitsgesellschafter auf scharfe Kritik. Vor allem konnte der JHD-Chef den von ihm selbst angekündigten Stellenabbau nicht beziffern und auch nichts zur zukünftigen medizinischen Angebotspalette sagen.

70-Mio.-Zuschuss ungefährdet

Delker räumte zumindest ein, dass es derzeit eine leicht erhöhte Abwanderungsquote von Fachpersonal bis hin in den ärztlichen Bereich gebe. Die Schließung des Bewegungsbads sei erforderlich gewesen, weil es nicht der modernen Therapie entspreche und zu viel koste. Er bekräftigte, dass die Förderung von 70 Millionen Euro für den Neubau des Hospitals in der Stadtmitte durch das laufende Schutzschirmverfahren nicht gefährdet sei. Nächster Schritt seien Gespräche mit den niedergelassenen Ärzten als Einweiser in das Krankenhaus.

Kein Untersuchungsausschuss

Der Rat beschloss, dass Delker einen umfangreichen Fragenkatalog schriftlich beantworten muss und dem Aufsichtsrat Rede und Antwort steht zu den Bereichen, die dem Betriebsgeheimnis unterliegen. Ein FDP-Antrag auf Einberufung eines Untersuchungsausschusses konnte nicht beschlossen werden, weil dies laut Kommunalverfassung nicht möglich ist.