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Podiumsdiskussion zu Flüchtlingen in Delmenhorst Zwischen purer Not und falschen Erwartungen

Von Paul Wilhelm Glöckner | 20.04.2018, 17:43 Uhr

Welche Motive legen Flüchtlinge an den Tag, die in Europa Fuß fassen wollen? Dies war die Leitfrage einer Podiumsdiskussion am Donnerstag im Nordwolle-Museum.

Unter dem Titel „Sehnsucht Europa? Eine Frage der Perspektive“ debattierten Theo Lampe vom Diakonischen Werk, Regina Hewer von Terre des Hommes, Vahap Aladag vom Integrationslotsenteam und der afghanische Flüchtling Maisam Hasanzada unter der Moderation des Journalisten Andreas Becker. Vor nur 14 Zuhörern machte Lampe zunächst deutlich, wie unterschiedlich in Deutschland und Europa diese Flüchtlingswelle bewertet werde. Zwischen der Forderung nach einer „Festung Europa“ und einer aufrichtigen Willkommenskultur gebe es viele differenzierte Einschätzungen über die Gefahren oder Vorteile, die diese Zuwanderung mit sich bringe.

„Ich wollte einfach nur leben“

Dass Sehnsucht keinesfalls das alleinige Motiv zur Einwanderung ist, machte Maisam Hasanzada deutlich: „Ich wollte nur leben, meine Familie wurde bedroht, ich dachte, wir werden sterben, aber dann lieber auf der Flucht durch Pakistan, den Iran und der Türkei nach Deutschland als in meiner Heimat“. Er dankte ausdrücklich für die Hilfe, die ihm in Delmenhorst zuteil wurde, etwa durch Vahap Aladag, der als türkischer Einwanderer 1980 in Delmenhorst Fuß fasste. Aladag wies auf falsche Erwartungen hin, die gerade jüngere Ankömmlinge hegten, weil sie Schlepper falsch über Europa informierten: „Nach der ärztlichen Untersuchung, der Bereitstellung von Kleidung und einer Übernachtungsmöglichkeit wurde ich gefragt, warum keine Adidas Sportschuhe zugeteilt worden seien.“

Zuwanderung nicht immer eine Erfolgsgeschichte

Dass Zuwanderung und Integration eine Erfolgsgeschichte ist, wollte auch Regina Hewer nicht unbedingt bestätigen. Nach anfänglicher Aufnahmebereitschaft, die sie überrascht habe, sei die Stimmung gekippt. Dank sei in Delmenhorst dem Integrationsteam zu leisten, das Vielen geholfen habe.

Lampe indes will bei der Integration nicht stehen bleiben. Es müsse um die Anpassung von Träumen an die Realität gehen, es müsse am Ende zu einer „Beheimatung“ kommen.