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Poetry-Slam-Meisterschaft Delmenhorster greift nach der Poeten-Krone

Von Ole Rosenbohm | 21.10.2016, 23:22 Uhr

Der Delmenhorster Hauke Schrade kann Sonntag, 23. Oktober, in Oldenburg Landesmeister im Poetry Slam werden. Vielen gilt er als Favorit.

Hauke Schrade ist sich sicher, dass er an diesem Sonntag, 23. Oktober, ziemlich nervös sein wird. Wie auch nicht? Der 20-Jährige tritt im Nachwuchs-Finale der niedersächsisch-bremischen Poetry-Slam-Meisterschaften an, quasi sein Saisonhöhepunkt. Vor den drei Zuschauerrängen im Oldenburger Staatstheater stand er auch noch nie.

Überdies ist der Delmenhorster erst seit 15 Monaten auf Poetry-Slam-Bühnen zu sehen. Aber erfahren ist er schon irgendwie: Bereits 2015 erreichte Schrade das Finale bei den Landesmeisterschaften, wurde Dritter. Daneben brachte er inzwischen um die 60-mal in seinen Sechs-Minuten-Geschichten überall in Norddeutschland Zuschauer zum Lachen oder Schmunzeln.

Wie jeder Slammer textet auch Schrade selber: „Dinge, die mich nerven“, „Verschwörungstheorien über Einhörner“, auch ein Text über Delmenhorst – so böse, dass er als Liebeserklärung durchgeht: „Charakterschwach, der Welt egal, Bremen-Nord hält uns für asozial“, reimt er: „Aber das Wichtigste an diesem Vorort ist, dass er trotzdem meine Heimat ist.“

Es wird gelacht, aber Poetry Slam ist keine Comedy. Die kurzen Texte dürfen auch berühren oder philosophisch sein. Oft ziehen Slammer das Publikum mit Selbstironie auf ihre Seite. Eine Jury aus zufällig ausgesuchten Zuschauern vergibt Punkte. Geht es ins Stechen, entscheidet oft der Applaus aller.

Poetry Slam ist eine sehr lässige Art der Literatur-Präsentation. Schrade trägt gerne Wollmütze oder Hut zu seinen mit oder ohne Reime vorgetragenen Geschichten. Er passt in diese Szenerie. Bis zum Abitur letztes Jahr spielte Schrade Theater in der Schule, rezitierte auch eigene Texte. Wortspiele machen ihm Spaß. Überhaupt: „Wann hat man schon mal die Möglichkeit, minutenlang auf Leute einzureden?“ Weil er seine Kumpels eher begeisterte als langweilte, habe ihn dann „einer auf die Bühne gezwungen“.

Kennern gilt er als großes Talent, morgen gar als Favorit unter den drei Finalisten. Aber er will noch an sich arbeiten. Texte, oder Performance: Viel gebe es zu verbessern. Denn Schrade hat noch was vor. Wichtiger als das Gewinnen morgen sei zwar das Miteinander beim Familienfest der norddeutschen Slam-Szene, sagt er. Aber wer bekannt ist, wird eher zu den Slams eingeladen. Und wer Titel gewinnt, besonders gerne. Dann winkt vielleicht mal eine der seltenen Gagen.

Die neun Finalisten bei den Großen werden am heutigen Samstag (22. Oktober) in drei Vorrunden ermittelt. Karten an der Abendkasse gibt es für das Event im Polyester (21 Uhr, fünf Euro), die beiden anderen sind wie das Finale ausverkauft. Das nächste Mal in Delmenhorst ist Schrade spätestens am 24. November in der Markthalle zu sehen – vielleicht dann als amtierender Landesmeister.