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Politische Sommergespräche Delmenhorster Bürgermeisterin mit Bodenhaftung

Von Heike Bentrup | 19.08.2015, 18:35 Uhr

SPD-Ratsfrau Antje Beilemann ist Bürgermeisterin und Vorsitzende des Sozialausschusses. Die bekennende Delmenhorsterin steht zu ihrer Stadt und ist gern „mittendrin“. Im politischen Sommergespräch spricht sie über die Flüchtlingsthematik, ihre Rolle als Bürgermeisterin und die politische Zusammenarbeit in der Stadt.

dk: Frau Beilemann, Sie sind Vorsitzende des Sozialausschusses. Ein großes Thema, nicht nur in Delmenhorst, ist in diesen Tagen der Flüchtlingsstrom. Wie sehen Sie Delmenhorst aufgestellt?

Antje Beilemann: Die Stadt ist sehr gut aufgestellt. Alles ist gut verzahnt und vorbereitet. Gleichwohl sind die Unterbringungskapazitäten bald erschöpft. Das wird auch das erste Thema nach der Sommerpause sein. Auf keinen Fall darf es Wahlkampfthema werden, sonst besteht die Gefahr, dass Parteien in den Rat einziehen, die wir in Delmenhorst nicht haben wollen.

Wo sehen Sie Lösungsansätze?

Wir werden Überlegungen anstellen müssen, wie wir noch vorhandenen Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen können. Neben der Frage nach der Unterbringung geht es aber vor allem auch um die Finanzierung. Das Problem ist, dass die Kosten erst einmal bei der Stadt hängenbleiben.

... und das angekündigte Infrastrukturprogramm der Bundesregierung?

Über die Verwendung der angekündigten vier Millionen Euro sollte sich die Politik möglichst zeitnah Gedanken machen und dieses nicht der Verwaltung überlassen. Bekanntlich müssen wir in vielen Bereichen Geld in die Hand nehmen, ich erinnere dabei nicht nur an kaputte Straßen.

Sie sind als Bürgermeisterin viel in der Öffentlichkeit präsent. Wie nehmen Sie die Stimmung in der Bevölkerung wahr?

Delmenhorst hat eine große Willkommenskultur. Ich schätze, das liegt daran, dass die Stadt als Industriestandort durch Zuwanderung geprägt ist. Vorrangiges Ziel muss es sein, die Menschen abzuholen. Zu diesem Zweck bietet die VHS beispielsweise Beziehern von Arbeitslosengeld und auch Flüchtlingen die Möglichkeit, freie Plätze in Kursen unter anderem im Bereich Sport und Kultur zu belegen. Das gilt leider nicht für die geförderten Bildungskurse. Außerdem engagieren sich viele Vereine, Verbände, Institutionen und Ehrenamtliche. Ihnen gilt ein großes Dankeschön. Die gute Netzwerkarbeit und Verzahnung zieht sich durch viele Bereiche.

... zum Beispiel?

Als eines der vielen Beispiele ist die Delmenhorster Jugendhilfestiftung zu nennen. Ich ziehe den Hut von Harald Groth und Gerlinde Wilms, die die Präventionsbausteine vor zehn Jahren gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Insbesondere bei der Sozialarbeit an Schulen, bei der Pädagogen und Sozialarbeiter auf Augenhöhe arbeiten profitieren alle Beteiligten und vor allem die Kinder.

Stichwort Kinder. Bei Veranstaltungen zugunsten des Vereins Stars 4 Kids aber auch bei anderen Benefizaktionen waren Sie bereits mehrfach auf der Bühne oder in anderen Rollen, beispielsweise als Servicekraft, zu sehen.

Ja, und das hat unheimlichen Spaß gemacht. Ich will keine „Grußwort“-Bürgermeisterin sein, sondern muss immer mitten rein ins Geschehen. Ob der Gesangsauftritt mit meiner Nichte Nina beim Konzert für die Flutopfer in Grimma, beim Krimi-Dinner, beim Broadway-Abend oder auch die Teilnahme am 24-Stunden-Lauf. Das sind Sachen, die mir liegen.

Das heißt, dass man Sie auch künftig in derartigen Rollen sehen wird?

Sicher, das nächste Krimi-Dinner ist bereits in Planung. Und beim 24-Stunden-Lauf werde ich auch wieder dabei sein. Obwohl der Montag danach in diesem Jahr ganz schlimm war, ich hatte im Vorfeld wenig trainiert. Aber schon wegen der Atmosphäre und des Feuerwerks möchte ich wieder mitlaufen. Das habe ich diesmal leider verpasst, weil ich gerade auf der Bahn unterwegs war.

Immer mittendrin, wenn es um Delmenhorster Belange geht?

Sicher doch. Ich bin mit Herz und Seele Delmenhorsterin und kann ohnehin nicht von mir behaupten, dass ich ein introvertierter Mensch bin. Auch wenn ich ruhige Momente brauche und für mich sein kann. Hinzu kommt, dass ich die Stadt und die Bürger mag. Hier bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen und hier lebe ich, in meinem Viertel.

Um noch einmal auf die Politik zurückzukommen. Was schätzen Sie im Umgang mit Ihren Ratskolleginnen und -kollegen?

Die SPD-Fraktion ist mit ihrer Fraktionsvorsitzenden Andrea Meyer-Garbe ein eingespieltes Team. In der Regel sind wir immer voll auf einer Linie.

Und fraktionsübergreifend?

Mit den meisten Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fraktionen kann man prima zusammenarbeiten. Wichtig ist einerseits, dass es menschelt, andererseits aber auch, dass die Diskussionen sachlich ausgetragen werden. Wenn dann noch die gleichen Interessen verfolgt werden, ist das wunderbar.

Ein Blick auf die Kommunalwahl 2016. Wann gehts in die heiße Phase und was steht an?

Ich schätze, Anfang nächsten Jahres geht es los. Die Big Points sind nach wie vor die Krankenhäuser, die Graft, die Innenstadt und die haushaltsneutrale Entscheidung über die Netzvergabe, die jetzt bald ansteht. Das sind Themen, die alle interessieren. Aber auch das, was bei den Menschen direkt vor der Haustür passiert, muss thematisiert werden.