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Polizei und Stadt sind aktiv „Zustände im Delmenhorster Wollepark nicht mehr akzeptabel“

Von Marco Julius | 04.08.2016, 18:12 Uhr

Mit einer konzertierten Aktion wollen Stadtverwaltung und Polizei die Zustände im Wollepark langfristig verbessern. Die Akteure arbeiten dabei Hand in Hand.

„Im Wollepark leben zwei Prozent der Stadtbevölkerung, aber elf Prozent der Haftbefehle und gesuchten Personen entfallen auf das Quartier“, sagt Jörn Stilke, Chef der hiesigen Polizeiinspektion: „Wir sind dort überproportional häufig im Einsatz.“ Die Zustände hätten sich insgesamt seit längerer Zeit negativ entwickelt und seien mittlerweile in einem Bereich, der polizeilich nicht mehr akzeptabel sei. Mit Entschlossenheit wollen die Stadt und die hiesige Polizeiinspektion der aktuellen Situation im Wollepark gemeinsam entgegentreten, das haben am Donnerstag in einer Pressekonferenz Oberbürgermeister Axel Jahnz, Stadtbaurätin Bianca Urban und die Fachbereichsleiter Petra Gerlach und Fritz Brünjes für die Stadt sowie – neben Stilke – Carsten Hoffmeyer und Michael Lüken für die Polizei bekräftigt.

Zuzug aus Osteuropa hat Situation verschärft

Seit gut einem Jahr analysieren Polizei und Verwaltung gemeinsam die Lage im Wollepark, die sich durch den zahlenmäßig starken Zuzug von Menschen aus dem östlichen Teil Europas verschärft habe. „Im Wollepark leben viel mehr Menschen, als dort offiziell gemeldet sind“, sagt Stilke. Knapp 1900 Menschen haben dort ihren festen Wohnsitz, dazu käme aber eine Zahl von Menschen, die im dreistelligen Bereich liege, die dort leben, aber eben nicht gemeldet ist. „Wir haben in Kellerräumen und in nicht mehr bewohnbaren Wohnungen ganze Matratzenlager entdeckt“, berichtet Stilke. „Wir müssen dort endlich durchgreifen“, sagt Oberbürgermeister Axel Jahnz. Das Wohnviertel dürfe nicht sich selbst überlassen werden. „Viele Anwohner dort wünschen sich nichts mehr als Ruhe, dafür haben wir Sorge zu tragen“, betont Jahnz. Auf eine Selbstreinigung des Quartiers dürfe man sich dabei nicht verlassen. Jahnz spricht von einer „subjektiven und objektiven Unruhe“ im Wollepark. „Der Wollepark darf kein Angstraum sein – und er darf kein Rückzugsort sein für Kriminelle, die sich dort in die Anonymität flüchten“, sagt Stilke.

Abrissbirne soll helfen

Die Situation zurück in die Normalität führen, das ist das Ziel der konzertierten Aktion von Stadt und Polizei. Der erste Schritt sei, allen klarzumachen, dass der Wollepark kein rechtsfreier Raum sei. „Wir sind da präsent, wir haben da ein Auge drauf“, sagt Petra Gerlach – und ähnlich formuliert es auch Stilke. Große Hoffnungen setzen alle Akteure auf die städtebauliche Entwicklung. Der Abriss der Blöcke Im Wollepark 1 bis 5 werde große Wirkung haben, sagt Brünjes. Carsten Hoffmeyer fand den bildhaften Vergleich: „Der Abriss an der Stelle ist wie das Öffnen eines Fensters, es kommt endlich wieder Licht in den Wollepark.“ Brünjes führt zudem aus, dass es für den Block Westfalenstraße 8 eine Abrissverfügung gebe. Den Block Im Wollepark 13/14 hat die Stadt inzwischen erworben. Zwar gebe es noch Streit um den Kaufpreis, aber Brünjes ist zuversichtlich, dass auch an der Stelle eine erhebliche Verbesserung des Wohnumfeldes eintreten werde.

Druck auf Eigentümer ausüben

Durch erheblichen Druck auf den Eigentümer habe man auch Am Wollepark 11 und 12 die Situation entschärfen können. Bauliche Missstände und mangelhafter Brandschutz seien behoben worden. Eine Zeitlang habe man eine Brandwache anordnen müssen – und diese Kraft dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Das habe im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen irgendwann gefruchtet. Auch gegen das Müllproblem gehe man gezielt vor. „Wir bauen hier nicht einfach eine Drohkulisse auf. Wir werden keine Ruhe geben, bis wir hier Zustände haben, die akzeptabel sind“, sagt Jahnz. Die Eigentümer und Vermieter hätten eine große Verantwortung, bekräftigt auch Bianca Urban. „Ein Teil der Vermieter gefällt uns schlichtweg nicht, weil ihr Umgang mit den Mietern uns schlichtweg nicht gefällt“, sagt Jahnz. Hoffnungen verbinde man aber mit Grand City Property. Unser Eindruck ist, dass das Unternehmen gewillt ist, seinen Teil beizutragen, dass der Wollepark lebenswert ist.“

Ungemütlich werden soll es auch für alle die, die sich im Wollepark versteckt halten. Straftäter, die außerhalb von Delmenhorst auf Beutefang sind, verschwinden dort in der Masse. „Wir wollen diese Anonymität auflösen. Es soll ungemütlich werden, wir werden diesen Menschen auf den Füßen stehen“, sagt Stilke. Seit Anfang Juli habe die Polizei über 200 Personen im Wollepark kontrolliert, dazu 50 Fahrzeuge. „Wir zeigen Präsenz“; sagt Stilke. Das sei die erste Phase des polizeilichen Stufenplans, der den Wollepark wieder auf Kurs bringen soll. „Wir bemerken bereits jetzt, dass wir stören. Und stören wollen wir“, berichtet Stilke. Er spricht von Alarmierungsketten, die vor der Polizei warnen. Und er spricht von brenzligen Situationen bei Personenkontrollen, wenn wie aus dem Nichts bis zu 30 Personen in durchaus aggressiv zu nennender Stimmung den Streifenwagen umzingeln. „Man versucht, auszutesten, wie weit man mit uns gehen kann. Wir weichen nicht zurück“, macht der Polizei-Chef klar.

Stadt und Polizei versprechen Nachhaltigkeit

Jahnz verweist mit Nachdruck darauf, dass die Situation im Wollepark nichts mit Flüchtlingen zu tun habe. Die Stadt hat dort keine Flüchtlinge untergebracht. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung, weil wir die Situation im Wollepark nicht verschärfen wollten. Viele Bürger haben diese Entscheidung nicht verstanden, weil es im Wollepark Leerstände gibt, aber sie ist auch im Rückblick noch richtig.“ Jahnz dankte zugleich den vielen Ehrenamtlichen und dem Nachbarschaftsbüro für die Arbeit, die im Wollepark Tag für Tag geleistet werde.

Stadt und Polizei betonen, dass sie weiter Hand in Hand im Wollepark „aufräumen“ wollen – und das nachhaltig und langfristig. Für Stadtbaurätin Urban, die langjährige berufliche Erfahrungen im Umgang mit Bremer „Problemvierteln“ mitbringt, ist klar: „Der Wollepark bietet tolle Möglichkeiten für die Stadtentwicklung, die wir nutzen werden.“