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Polizei vor Gericht kritisiert Rätselraten um Angriff bei Party in Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg | 17.01.2016, 14:04 Uhr

Das Rätselraten um zwei Platzwunden an den Köpfen zweier Delmenhorster am Ende eines Handgemenges in einer Gaststätte hat sich vor dem Landgericht Oldenburg fortgesetzt.

Nachdem am ersten Verhandlungstag die Aussagen des einen Geschädigten aufgrund diverser Widersprüche zu anderen Zeugenaussagen kaum Licht ins Dunkel brachten, stiftete die Aussage des zweiten Geschädigten ebenfalls Verwirrung.

Bewährungsstrafen in erster Instanz

Auf der Anklagebank sitzen zwei Delmenhorster, die das Amtsgericht Delmenhorst im Mai 2015 der gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden und zu einer acht- beziehungsweise zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt hatte. Die heute 34- beziehungsweise 32-jährigen Männer sollen im September 2013 bei einer Tanzveranstaltung in einer Delmenhorster Gaststätte zwei Männern mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen und diesen so Platzwunden zugefügt haben. Die Angeklagten haben gegen das Delmenhorster Urteil Berufung eingelegt und fordern einen Freispruch.

Polizei vermutet Gruppenstreitigkeiten als Ursache

Der Polizeibeamte, der die Ermittlungen geleitet hatte, skizzierte vor dem Landgericht das Bild zweier rivalisierender Gruppen. So handele es sich bei einem der Geschädigten um einen türkischstämmigen Mitbürger, der, ebenso wie seine Freunde, schon lange im Clinch mit den Aramäern um die beiden Angeklagten liege – und Tatabend offenbar Opfer eines Übergriffs durch diese geworden sei.

Ermittlungen stehen in der Kritik

Die Verteidigung ließ in der Folge kein gutes Haar an der Arbeit der Polizei, zeigte eine Reihe von Ungereimtheiten in der Recherche des Tathergangs auf und warf dem leitenden Ermittler Fehlverhalten bei einer Gegenüberstellung vor. Es sei weder bewiesen, dass die Platzwunden durch Schläge mit einer Flasche verursacht worden waren, noch, dass die beiden Angeklagten für die Verletzungen verantwortlich seien. Die Polizei habe ihre Schlüsse voreilig gezogen. Ein Gerichtsmediziner erklärte ebenfalls, dass die Wunden nicht zwangsläufig durch Schläge mit Flaschen entstanden sein müssten.