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Polnisch Kochen in Delmenhorst Zu Heiligabend wachsen Banasiaks über sich hinaus

Von Birgit Stamerjohanns | 23.12.2018, 17:28 Uhr

Christine und Jan Banasiak kochen für Heiligabend zwölf Gerichte – so ist es in Polen, ihrer Heimat, Tradition. Vor dem Essen gibt es Oblaten, gute Wünsche und ein Tischgebet.

Bei Banasiaks wird gern gekocht, gebraten und eingeweckt – auch, wenn gerade kein großer Feiertag ansteht. Jan Banasiak kocht gern Gurken ein, die seine Tochter Iwona in ihrem Garten pflückt. Seine Frau Christine arbeitet ebenfalls gern in der Küche. Einmal in der Woche kommen auch die beiden Kinder mit Partnern und den Enkeln zum Essen vorbei. Wer die Delmenhorster Familie besucht, für den steht frischer Kuchen bereit – natürlich aus dem eigenen Ofen.

Zu Weihnachten aber, da wachsen die Banasiaks über sich hinaus. Zwölf Gerichte müssen am Heiligen Abend auf dem Esstisch stehen, sonst kommt bei dem Ehepaar aus Oberschlesien und seinen Kindern keine richtige Weihnachtsstimmung auf. „Die zwölf Gerichte sollen an die zwölf Apostel erinnern“, erklärt Christine Banasiak, die zusammen mit ihrer Familie im Dezember 1987 nach Delmenhorst kam. Alle Speisen kommen gleichzeitig auf den Tisch, so kann jeder das essen, was ihm schmeckt.

Die „Moczka“ ist das Beste

Die Banasiaks kochen zum Fest vor allem Gerichte aus ihrer Heimat Oberschlesien. „An Fischgerichten bereiten wir Heringssalat und gebratenen Karpfen vor“, so Christine Banasiak, „außerdem kommt Fischfilet auf den Tisch, weil die Kinder den Karpfen wegen der Gräten nicht besonders mögen.“ Sehr zur Freude von Jan Banasiak wird es außerdem Teigtaschen geben, die mit Pilzen und Sauerkraut gefüllt werden. „Das schmeckt mir am Besten“, so der 72-Jährige, „vor allem die Füllung.“ Als Beilagen serviert die polnische Familie Sauerkraut und Salzkartoffeln. Zwei Suppen stehen ebenfalls auf der Festtafel: Eine Rote-Beete-Suppe und eine Pilzsuppe mit getrockneten Steinpilzen. Als einziges Fleischgericht kommen schlesische Weißwürste auf den Tisch. Zum Nachtisch gibt es eine Schichtspeise aus Mohn, Milch und Baguette sowie „Moczka“, eine Art Brotsuppe: „Das Brot wird über Nacht in Malzbier eingeweicht und dann in einer Gemüsebrühe mit Nüssen, Rosinen und Mandeln gekocht“, erklärt Christine Banasiak. Das Ganze wird mit Zucker und Zitrone abgeschmeckt und mit einer Mehlschwitze angedickt. „Davon können wir dann immer noch bis Silvester essen“, sagt die Hobby-Köchin, für die „Moczka“ das Beste am Festessen ist.

Gute Wünsche zu Beginn

Die Banasiaks und ihre Familie beginnen mit dem Essen, wenn der erste Stern am Abendhimmel leuchtet – so ist es Tradition. Bevor sich aber alle über die zwölf Gerichte her machen, werden gute Wünsche ausgesprochen. Dazu gibt es – wie in der Kirche beim Abendmahl – Oblaten. Anschließend betet die Familie ein Tischgebet. „In Schlesien war der Heiligabend eine Art Fastentag, da haben wir bis Mitternacht gar kein Fleisch gegessen“, erinnert sich Christine Banasiak. Noch heute verzichtet die Familie am Heiligabend auf Alkohol. Erst an den beiden Feiertagen, wenn es Gänsebraten und schlesische Klöße gibt, gönnt man sich ein Gläschen.

Karpfenschuppen unter dem Teller

Der gebratene Karpfen ist für ein typisch polnisches Weihnachtsfest besonders wichtig, denn angeblich bringen seine Schuppen Glück. „Wer die Schuppen des Karpfens zusammen mit einem Geldstück unter seinen Teller legt und anschließen im Portemonnaie aufbewahrt, hat immer genug Geld“, erklärt Tochter Iwona Majewski.

Zu Weihnachten wird die Tafel weiß eingedeckt. Unter die Teller legt Christine Banasiak Heu und Stroh, um an das Jesuskind in seiner Krippe zu erinnern. Und eine weitere, polnische Tradition hält die Familie in Ehren: „Es steht immer ein Gedeck mehr am Tisch, als Personen da sind, falls ein Gast kommt.“

Vorbereitungen laufen seit Tagen

In diesem Jahr feiern die Banasiaks erstmals bei Tochter Iwona und ihrem Ehemann. Sohn Arkadius kommt ebenfalls mit seiner Ehefrau und den beiden Töchtern. „Unsere Schwiegertochter stammt aus Bayern, aber ihr gefallen unsere polnischen Traditionen auch gut“, so Jan Banasiak. Mit den Vorbereitungen für die zwölf Gerichte legen Jan und Christine Banasiak schon am Tag vor Heiligabend los – der Kartoffelsalat muss über Nacht durchziehen, die Brotsuppe ebenfalls. Am Morgen des 24. geht es dann gleich nach dem Frühstück in die Küche. „Ich helfe mit und werde diese Tradition auch auf jeden Fall fortführen“, so Iwona Majewski. Für die 43-Jährige wäre ein Heiligabend ohne polnische Tradition und 12 verschiedene Gerichte eben kein richtiges Weihnachten.