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Positive Prognose reicht nicht aus Delmenhorster muss Gefängnisstrafe antreten

Von Ole Rosenbohm | 28.02.2019, 16:52 Uhr

Oldenburg/Delmenhorst Das Landgericht Oldenburg hat ein Urteil des Amtsgerichts Delmenhorst bestätigt. Ein 29-jähriger Delmenhorster muss in Haft.

Der 29-jährige Delmenhorster, der jetzt seinen Berufungsprozess vor dem Oldenburger Landgericht erlebt hat, hatte in den vergangenen Monaten zweifellos viel für eine positive Sozialprognose getan: Er hat sich eine Arbeit besorgt, sich von alten Freunden losgesagt, nachweislich ohne Drogen gelebt und sich am Tage des erstinstanzlichen Urteils im September sogar von seiner Partnerin getrennt, die einen ziemlich desaströsen Einfluss auf ihn gehabt haben soll. Allein: Es reichte nicht. Das Landgericht verwarf die Berufung, bestätigte also das Urteil des Amtsgerichtes Delmenhorst: ein Jahr und zehn Monate Gefängnis ohne Bewährung.

Verurteilt worden war der Mann wegen einer ganzen Reihe von Vergehen: eine Körperverletzung gegen die eigene Schwester bei einem Familienstreit war darunter, eine Körperverletzung gegen den Ex-Lebensgefährten seiner damaligen Freundin (weil er sie angeblich zum Koksen hatte verführen wollen), ein Hausfriedensbruch, ein Diebstahl von vier Schachteln Zigaretten aus einem Supermarkt und fünf Fahrten ohne Führerschein – dreimal wurde er dabei geblitzt.

Den Ausschlag gegen eine Bewährungsstrafe gab wohl das Vorstrafenregister des Mannes. 14 Eintragungen finden sich in seinem Bundeszentralregisterauszug: Drogenvergehen, Einbrüche, Diebstähle, Verkehrsdelikte. In ihrer Urteilsbegründung sagte die Richterin, sie hätte im Falle einer Bewährungsstrafe eine vier Jahre dauernde Bewährungszeit festlegen müssen; so lange aber sei der Mann bei Weitem niemals straffrei gewesen. Die Wahrscheinlichkeit spreche für neue Straftaten.

Mann gilt als Bewährungsversager

Dazu kommt: Der Angeklagte ist Bewährungsversager. Offen aus zwei Bewährungsstrafen ist wohl noch deutlich über ein Jahr Gefängnis. Der Löwenanteil stammt aus einer Jugendstrafe mit neun Jahre alten Vergehen. Weil der heute 29-Jährige aber immer wieder neu mit der Justiz zu tun hatte, wurde die Bewährungszeit immer wieder verlängert. Jetzt muss er davon ausgehen, dass diese Strafen noch auf die aktuelle Gefängniszeit draufgeschlagen werden. Eine Reihe von Leuten bedauert das Urteil. Seine Bewährungshelferin etwa sprach von ihm in hohen Tönen: er sei zuverlässig, reflektiert, sein Leben habe sich zum Guten gewandelt. Auch habe er seine Drogenprobleme in den Griff bekommen. Sein Anwalt sagte, er habe nie einen Angeklagten erlebt, der sich so ins Zeug für eine Berufung gelegt habe. Und sein Arbeitgeber stellte ihm fürs Gericht ein exzellentes Zwischenzeugnis aus und erwähnte in ihm auch diverse anstehende betriebliche Weiterbildungen für den 29-Jährigen.

Ob er seinen Job behalten kann, hängt auch von der Form seiner Haft ab. Weil er schon mal in Haft war, ist ein offener Vollzug nicht die wahrscheinlichste Variante. Aber ein offener Vollzug würde ihm – abhängig vom Ort des Gefängnisses – die Möglichkeit geben, weiter zu arbeiten. Ist sein Gefängnis aber weit weg, kann das kaum klappen: Der Angeklagte besitzt ja keinen Führerschein.