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Positive Sozialprognose Angeklagter aus Stuhr rast knapp an Knast vorbei

Von Ole Rosenbohm | 23.08.2017, 13:34 Uhr

Mehrfach ist ein Mann aus Stuhr wegen Drängelns auf der Autobahn aufgefallen. Das Amtsgericht Delmenhorst hatte ihn zu einer Haftstrafe verurteilt, diese wurde nun in der Berufungsverhandlung zur Bewährung ausgesetzt.

Der 37-Jährige aus Stuhr war oft rasend unterwegs, Verkehrsregeln betrachtete er wohl eher als Vorschlag. Ein Überholvorgang von rechts im Juli 2016 auf der A28 hätte ihn nun fast in den Knast gebracht. Das Amtsgericht Delmenhorst hatte ihn wegen vorsätzlicher Gefährdung im Straßenverkehr schon zu vier Monaten ohne Bewährung verurteilt, in der Berufung vor dem Landgericht Oldenburg hatte er aber Glück: Wegen einer günstigen Sozialprognose darf er draußen bleiben.

Drängler wurde mehrfach beobachtet

Den drängelnden 37-Jährigen in seinem Polo erkannte der Fahrer eines gerade nach rechts ziehenden Opel Astra erst im allerletzten Moment. Ruckartig zog der Astra-Fahrer sein Steuer nach links. Auf wenige Zentimeter kamen sich die Autos nahe, sagte er später. Zufall, dass es keinen Zusammenstoß gab. Kein Ausrutscher des Angeklagten: Der Astra-Fahrer beobachtete danach mehrfach, wie der Polo dicht auffuhr, rechts überholte, andere in Gefahr brachte. Zufällig sah er ihn nochmals an einem anderen Tag in ähnlichem Fahrstil über die Straße brettern. Auch sonst war der Mann auffällig. Erst wenige Monate vor der Verhandlung in Delmenhorst war er von einem anderen Amtsgericht wegen vorsätzlicher Gefährdung im Straßenverkehr zu 50 Tagessätzen verurteilt worden.

Ursprüngliches Urteil „eher noch milde“

Das Landgericht wollte das Delmenhorster Urteil so auch gar nicht kritisieren, eher sei es noch milde, befand der Richter. Nur in der Frage nach einer möglichen Bewährung hätte sich etwas getan. Denn inzwischen ist der Mann Vater geworden und hat seit kurzem einen verantwortungsvollen Job. Er habe sich, versicherte er, „um 180 Grad gedreht“, habe eine Menge Mist gebaut, wolle und müsse aber nun Verantwortung übernehmen. Die Vorwürfe aus der Anklage? „Kommen voll hin.“

MPU wird fällig

Auch die Staatsanwältin sah eine positive Sozialprognose und gezeigtes Unrechtsbewusstsein. Vier Monate Freiheitsentzug seien wegen der Fülle der groben Verstöße „unverzichtbar“ – aber eben zur Bewährung. Das Gericht folgte der Einschätzung, auch wenn die Entscheidung knapp gewesen sei. Der Führerschein wird eingezogen, die Fahrerlaubnis entzogen. Um wieder fahren zu dürfen, wird der 37-Jährige eine MPU, eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung, ablegen müssen. Zudem muss er 1000 Euro an die Landeskasse zahlen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.