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Posthumes Album erscheint Die Musik des gebürtigen Delmenhorsters Michels bleibt

Von Marco Julius | 15.12.2018, 12:37 Uhr

„Erntezeit“ heißt das Album von Wolfgang Michels, das jetzt posthum erschienen ist. Ein Freund aus Jugendtagen erinnert sich an einen großen Musiker aus

Als der Songpoet Wolfgang Michels im September 2017 verstarb, nach langer Krankheit im Alter von 66 Jahren, da hat Lutz Havemann mehr als einen guten Freund verloren. Kennengelernt hatten sich die beiden als Jungspunde im Partykeller von Havemanns Eltern in Delmenhorst. „Das muss 1969 oder 1970 gewesen“, erinnert sich Havemann. Michels hatte da schon auf sich aufmerksam gemacht – und mit seiner Gitarre natürlich Schlag bei den Mädels. Mit seinem selbstproduzierten Song „Desert Walker“ landete er 1968 über Umwege sogar bei der BBC – und einen ersten Hit in England. Alexis Korner, Blues-Legende und Entdecker der Rolling Stones, wurde auf Michels aufmerksam.

Freund und Fan

Havemann weiß das alles ganz genau. Er ist nicht nur ein Freund Michels geworden und geblieben. Er ist auch Fan. Und er tut viel dafür, das Michels und sein Werk nicht vergessen werden. „Die Hoffnung, dass er eines Tages doch noch einem breiten Publikum bekannt wird, habe ich immer noch nicht ganz aufgegeben. Verdient hätte er es“, sagt Havemann, der heute in Bielefeld lebt.

Michels hat sich in seiner Karriere durchaus einen Namen gemacht. Er hat mit Neil Young und im Vorprogramm von Joan Baez gespielt, war mit Rio Reiser befreundet und hat eng mit ihm zusammengearbeitet. Doro, Fettes Brot und eben Rio Reiser coverten Songs von ihm. Anfang der 1980er Jahre hatte Michels begonnen, auf deutsch zu singen.

Wandelndes Lexikon der Musik

Michels blieb zeit seines Lebens nicht nur ein überaus talentierter Musiker und Texter, er war stets auch selbst Fan. Mit ihm über Musik zu sprechen, so wie es auch der Autor dieser Zeilen tat, über die Beatles, die Stones, die Kinks oder die Doors, war ein Vergnügen, weil er nahezu ein wandelndes Lexikon war. Havemann ging es da genauso. „Er kann mich jetzt leider nicht mehr anrufen und mir euphorisch von neuen Songs berichten, für die er gerade die Texte und die Musik geschrieben hat. Ich kann nicht mehr live seine Auftritte und Konzerte miterleben“, bedauert er. „Es ist nur ein kleiner Trost für mich, dass ich sooft, wie mir danach ist, seine CDs abspielen oder seine Langspielplatten mit seinen Liedern auflegen kann.“ So wie die Platte „Erntezeit“, die kürzlich, ein Jahr nach Michels‘ Tod, bei Glitterhouse Records erschienen ist. Das posthume Werk enthält neue Lieder, an denen Michels zuletzt noch gearbeitet hatte und Neuaufnahmen von Songs. Musik, die neu zu entdecken ist.

Ein guter Rat

Die Freunde Michels und Havemann hatten sich zwischenzeitlich auch mal aus den Augen verloren. „Im Dezember 2007 trafen wir uns bei Wolfgangs Auftritt bei ‚Hamburg Sounds‘ im Schmidts Tivoli wieder. Von da an hatten wir – bis eine Woche vor seinem Tod – regelmäßig Kontakt, führten oft stundenlange Telefongespräche.“ An ein Treffen erinnert sich Havemann ganz besonders. „Das war in Hamburg. Bei dieser Gelegenheit spielte er mir auf einem alten Kassettenrecorder einige der zwölf Songs des damals noch nicht produzierten Albums ,Erntezeit’ vor. Zu meiner Überraschung fragte er mich, jemand der sich im Musikbusiness überhaupt nicht auskennt, nach meiner Meinung zu der Reihenfolge der Songs. Dies hat wohl dazu geführt, dass der Titelsong ,Erntezeit’ dann später als Erstes in der Tracklist erschien“, erinnert sich Havemann.

„Erntezeit“ erfüllt einen Wunsch

„Wolfgangs sehnlichster Wunsch war, dass sein Album ,Erntezeit‘ genau so, wie er es sich vorgestellt hat, auf Glitterhouse Records erscheint“, teilt die Plattenfirma mit. Das hat geklappt. Michels‘ Wunsch hingegen, noch einmal in seiner Geburtsstadt Delmenhorst zu spielen, hat sich nicht mehr erfüllt.