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Präventionsprogramm P.A.R.T.Y. Unfallopfer berichten in Delmenhorst vor Schülern

Von Marco Julius | 18.03.2017, 12:28 Uhr

Schüler verbringen einen Tag im Josef-Hospital Delmenhorst und vollziehen dort Stationen eines Schwerverletzten nach. Dabei berichten auch Unfallopfer.

Der Enthusiasmus ist ihm anzuhören, wenn er über das Präventionsprojekt spricht, das ab Mai im Josef-Hospital laufen wird. Dass es dazu kommt, ist maßgeblich seiner Initiative zu verdanken. Chefarzt Jörg Retzlaff, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am JHD, holt P.A.R.T.Y. nach Delmenhorst. „P.A.R.T.Y. ist eines der weltweit erfolgreichsten und spannendsten Präventionsprogramme für Schulklassen und Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren in Zusammenarbeit mit Unfallkliniken“, sagt Retzlaff. Kern des Programms sei dabei, dass Schulklassen einen Tag in der Unfallklinik verbringen und dort die verschiedenen Stationen eines Schwerverletzten erleben.

Bundesweit 30 Kliniken beteiligt

„Rund 30 Kliniken beteiligen sich allein in Deutschland an dem Programm, darunter große und führende Unfallkliniken“, betont Retzlaff. Er hat sich zuletzt in Köln umgeschaut und sich ein Bild von P.A.R.T.Y. gemacht. Schnell war klar: „Das ist auch etwas für Delmenhorst.“

P.A.R.T.Y. steht als eine Abkürzung für „Prevent Alkohol and Risk Related Trauma in Youth“. Frei übersetzt geht es um die Prävention von durch Alkohol und risikoreiches Verhalten verursachte Verletzungen („Traumen“) bei Jugendlichen. „Wobei das A mittlerweile eher für Ablenkung steht. Die Gefahren im Straßenverkehr, etwa durch die Nutzung des Handys am Steuer, haben zugenommen“, sagt Retzlaff.

Junge Menschen als Risikogruppe

Die Zielgruppe des Programms sei besonders gefährdet, was schwere Unfälle angeht, Prävention daher besonders wichtig. Die Jugendlichen sind noch ohne Erfahrung im Straßenverkehr, überschätzen mitunter ihre Fähigkeiten. „Jugendliche versterben am häufigsten als Autoinsassen und als Fahrer von Mopeds und Mofas“, teilt die Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie mit, die hinter P.A.R.T.Y. steht. „Erfolge eines Präventionsprojektes lassen sich sicher schwer messen. Aber wenn wir nur einen Unfall, nur einen Todesfall verhindern können, ist das ein Erfolg“, sagt der Mediziner.

Von 9 bis etwa 14.30 Uhr dauere der Aktionstag im JHD. Mit im Boot ist auch die Polizei, die einen Vortrag zur Unfallprävention anbietet. In drei Gruppen à zehn Jugendlichen können die Schüler dann den Weg eines Verletzten nachempfinden. Es beginnt mit dem Blick in den Rettungswagen, es geht in die Notfallaufnahme und auf die Intensivstation. Später erzählen Unfallopfer von dem, was sie erlebt haben. „Das ist sehr einprägsam“, sagt Retzlaff. „Wenn ein Mann, dem beide Unterschenkel amputiert worden, berichtet, wie sich sein Leben verändert hat, kommen die Jugendlichen ins Grübeln, und das sollen sie auch.“ Jugendliche sollten sich stets des Risikos bewusst sein – und sie sollten verstehen, welche Konsequenzen für sie selbst, für ihre Familie und Freunde entstehen.

Schulen können sich anmelden

Zu den praktischen Erfahrungen gehören auch das Anlegen eines Gipsverbandes oder der Umgang mit einer Probeprothese. „Was es bedeutet, nach einem Unfall nicht mehr mobil zu sein, erfahren die Schüler sehr anschaulich.“

Etwa 20 Mitarbeiter des JHD sind am Projekt beteiligt. „Es ist sehr aufwendig, aber wir sind der Überzeugung, dass sich der Einsatz lohnt“, sagt Retzlaff. Er ist noch auf der Suche nach Sponsoren, die ein Mittagessen für die Teilnehmer finanzieren. In diesem Jahr sind vier Aktionstage angedacht, ab 2018 sollen es dann bis zu sechs im Jahr sein.